ausstellung | herford

Haltung & Fall


bis 6. Oktober 2019

 

„Haltung bewahren“, höchste Konzentration, absolute Anspannung aller Muskeln und Fasern des Körpers, bis hin zur festen Beherrschung des Geistes: Gerade in der heutigen Zeit ist die Forderung nach „Haltung“ aktueller denn je. Das Erstarken von Rechtspopulismus, die Zukunft Europas, Klimawandel, Genderdebatten, Digitalisierung und künstliche Intelligenz: Die Welt scheint ins Wanken geraten zu sein. Überforderung und Ohnmacht werden zu Sinnbildern einer nervösen, von Umwälzungen geprägten Gesellschaft.

 

Umso stärker wächst das Bedürfnis nach existenzieller Befragung der Strukturen und seiner Selbst. Auf der Suche nach Orientierung scheint es hilfreich, eine Haltung gegenüber der Welt einzunehmen. Dabei geht es nicht allein um eine körperliche Aktion, sondern um eine Einheit aus Körper und Geist. Man positioniert sich gegen oder für etwas und bezieht Stellung – als notwendige Grundlage des Seins. Die Einnahme einer solchen Haltung ist immer verbunden mit einer festen Positionierung, aber genauso mit einer damit einhergehenden Starre, einer Bewegungsunfähigkeit.

 

Die teilnehmenden zeitgenössischen Künstler wie Francis Alÿs, Christian Falsnaes, Eva Kot’átková oder Sebastian Stumpf spielen mit der Widersprüchlichkeit und der Spannung des Begriffspaars „Haltung und Fall“. Zwischen fester Positionierung und notwendiger Flexibilität richten sie den Blick dabei auf die Extreme. Sie entwerfen eindrückliche Bilder des sich aufbäumenden und fallenden Körpers, des Taumelns zwischen den Positionen, des Schwankens und sich Windens. Die Ausstellung beschäftigt sich zwischen faszinierender Spielerei und erschütternder Wucht, zwischen politischer Aufladung und poetischer Auflösung mit einem Begriffspaar, welches stellvertretend für den aktuellen Zeitgeist steht. Neben bereits bestehenden Arbeiten werden mehrere Neuproduktionen entstehen, die sich explizit mit der Thematik beschäftigen.

    

www.marta-herford.de

  • Denis Darzacq, La Chute N° 03, 2005 – 2006, C-Print, 105 x 85 cm, © der Künstler, Courtesy RX Galerie, Paris
  • Sebastian Stumpf, Fences #21, 2017, analoger C-Print, 39 x 52 cm, Courtesy der Künstler und Galerie Thomas Fischer, Berlin
  • Robert Barta, Move it!, 2010, Maße variable, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Trevor Good