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„Me in a no-time state“


bis 14. August 2017

 
Bereits im Mittelalter galt der artifex als herausgehobene Künstlerpersönlichkeit, die aufgrund ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten zur Innovation befähigt war. In der 10. Jahresausstellung des Kolumba wird der Fokus auf Überlegungen zum Begriff des Individuums vor dem Hintergrund der Kunst gerichtet.


Was prägt das Individuum, was bestimmt sein Handeln? Ist die äußere Erscheinung maßgeblich, etwa in Kleidung und Schmuck, sind es die Dinge, das Auto, der Klingelton des Handys? Welche Bedeutung haben Kultur und Sprache, Heimat und Behausung, reale Existenzbedingungen und soziale Kontexte? Ist das Subjekt überhaupt als autonom und einheitlich zu denken, oder sollte man viel eher von einer Instanz sprechen, die von jedem Einzelnen immer wieder konstruiert und revidiert werden muss? Wie wesentlich ist dabei der Anteil von Vernunft und Wille, Bildung und Glaube, von Erfahrungen und Erinnerungen? Was bedingt eine Haltung, die den Freiraum des Einzelnen in einer solidarischen Gemeinschaft vertritt und erst damit der Fortschreibung Europas eine Perspektive verleiht?


Die Frage nach dem Individuum (lat. Unteilbares/ Einzelding) besitzt höchste Aktualität. Die Identifikation des Subjekts mit Geld und Macht produziert immer stärkere soziale Missstände, Gewalt und Korruption zerstören den Zusammenhalt der Gesellschaften, grundlegende Werte – Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz – werden in Frage gestellt und eingeschränkt. Terroristische Gewalttaten richten sich gezielt gegen die Freiheit des Individuums und machen die Massen empfänglich für populistische Strategien, für politische Demagogie und religiösen Fanatismus


Der Ausstellungstitel „Me in a no-time state“ bezieht sich auf eine frühe Werkgruppe von Chris Newman, die seit 1996 zur Sammlung des Kolumba gehört. Statt auf erlernte Professionalität, vertraut er auf seine individuell entwickelten Fähigkeiten und erklärt die Subjektivität zur objektivsten Form von Erkenntnis. Jenseits der aktuellen Nachrichten fragt die Ausstellung nach künstlerisch formulierten Aspekten des Individuellen und erinnert daran, dass die humanistische Prägung des Individuums als moralisches Subjekt ohne die Geschichte des Christentums nicht denkbar ist. Denn mit ihm vollzog sich der entscheidende Perspektivwechsel gegenüber der Antike, in der das Wirken der Götter das Schicksal des Einzelnen bestimmte.


Die am eigenen Bestand orientierte Ausstellung wird um eine große Leihgabe der Hohen Domkirche und um zwei Künstlerräume erweitert, die von Chris Newman und Martin Assig realisiert wurden. Kurt Bennings „opus magnum“, seine über die Dauer von 40 Jahren entstandene Arbeit „Burgtreswitzmensch“, widmet das Kolumba eine eigene Ausstellung.


www.kolumba.de


Bildnachweise:

Rubrik Ausstellungen: Martin Assig,  St. Paul #67, Ja ich bin es Pastell, Wachs auf Papier, 39,3 x 30,5 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Startseite: Eugène Leroy, 3 Gemälde , 1945-1997 und Jeremias Geisselbrunn, Muttergottes mit Kind, um 1650 © Kolumba, Köln Fotos: Lothar Schnepf

  • Oberrhein, um 1480, Lindenholz mit sichtbarer Grundierung und geringen Resten farbiger Fassung, (Neuerwerbung und Restaurierung mit Mitteln der Renate König-Stiftung) © Kolumba, Köln Fotos: Lothar Schnepf