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Die Zugezogenen


bis 27. August 2017

 

Die Künstler werden Haus Lange gemäß seiner ursprünglichen Intention nutzen: als Wohnhaus einer Familie. Elmgreen & Dragset inszenieren den Moment des Einzugs einer fiktiven deutschen Familie, die sich aufgrund des Brexit dazu entschlossen hat, aus Großbritannien nach Deutschland zurückzukehren. Sie kombinieren ihre eigenen skulpturalen Arbeiten mit vorgefundenen Möbeln und Artefakten, um ein häusliches Setting zu kreieren. Einige Gegenstände sind bereits ausgepackt und eingerichtet, andere noch in Kartons; neben dem „Zu Verkaufen“-Schild vor dem Haus steht der alte Jaguar der Familie mit noch voll bepacktem Dachgepäckträger. Die Ausstellung nimmt auf zwei europäische und dennoch sehr verschiedene Kulturen Bezug.

 

Statt einer linearen Geschichte entwerfen Elmgreen & Dragset (Michael Elmgreen *1961/ Ingar Dragset *1969) eine eher offene Erzählung. Vergleichbar mit dem experimentellen französischen „nouveau roman“ der 1950er und 60er Jahre verschränkt die Ausstellung verschiedene Geschichten und Zeitebenen und präsentiert sie neben- und nicht nacheinander. Der Zusammenbruch einer chronologisch verlaufenden Erzählung kann als eine Parallele zum drohenden Kollaps Europas gelesen werden. Die Wertvorstellungen der Moderne mit ihren Utopien für neue, fortschrittliche Lebensmodelle scheinen brüchig und nicht mehr verlässlich. Das von Mies van der Rohe ab 1927 geplante Haus Lange im Bauhaus-Stil mit seinen schlichten, rechteckigen und weitgehend schmucklosen Formen zeigt beispielhaft die modernen, architektonischen Prinzipien von Funktionalität, Rationalität und Transparenz.

 

Indem der Umzug der Familie als ein Symbol für das sich verändernde Europa präsentiert wird, reflektiert die Ausstellung die Visionen der Moderne im Licht der heutigen Realität: Inwieweit haben sich diese Ideale von aktuellen Lebensweisen und geopolitischen Situationen entfernt? Auch die Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit klingt hier an – eine Nostalgie, die angesichts der scheinbar nicht zu bewältigenden Herausforderungen der Zukunft weite Teile der europäischen Bevölkerung befällt. Elmgreen & Dragset schreiben die Tradition ortsspezifischen Arbeitens fort, die sich im Haus Lange bereits seit den frühen 1960er Jahren etabliert hat. Ihre Intervention transformiert den Ort als Ganzes und unterstreicht die dem Haus eigene Spannung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen Architektur, Kunst und Gesellschaft.

   

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Elmgreen & Dragset Irina, 2007 Vergoldete Bronze, Stahl, Fiberglas mit Epoxid, Kleider, Schuhe Installationsansicht Die Zugezogenen, Museum Haus Lange, Kunstmuseen Krefeld, 2017 Sammlung Emmanuel Perrotin, Paris Foto: Volker Döhne © Elmgreen & Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017

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Elmgreen & Dragset High Expectations, 2011 / 2017 Junge: Fiberglasharz, Polyurethaneharz, Acryl, Holz, Acrylfarbe, Ölfarbe, Haar; Gemälde: Leinwand, Ölfarbe; Reiterfigur: glasiertes Porzellan; Kamin: Travetin, MDF Installationsansicht Die Zugezogenen, Museum Haus Lange, Kunstmuseen Krefeld, 2017 Olbricht Collection Foto: Volker Döhne © Elmgreen & Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017

  • Elmgreen & Dragset Table for Bergman, 2009 (Detail) Holz, Farbe, Perspex, Stühle, Glasgeschirr, Besteck, handbemaltes Porzellan Courtesy Victoria Miro, London Foto: Volker Döhne © Elmgreen & Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017
  • Elmgreen & Dragset Darkroom, 2017 Mischtechnik Installationsansicht, Die Zugezogenen, Museum Haus Lange, Kunstmuseen Krefeld, 2017 Courtesy the artists Foto: Volker Döhne © Elmgreen & Dragset und VG Bild-Kunst, Bonn 2017