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Reena Spaulings


bis 27. August 2017

 

Zunächst betitelte Reena Spaulings ein Romanprojekt, an dem eine unbestimmte Anzahl anonymer Autoren aus dem Umfeld des Künstlerkollektivs Bernadette Corporation mitwirkte. Fast zeitgleich entstand eine kommerzielle Galerie mit Ausstellungsräumen in New York, die seither Künstler wie Merlin Carpenter, Jutta Koether, Claire Fontaine und Klara Lidén repräsentiert. Ebenfalls im Jahr 2004 formierte sich ein Künstlerkollektiv, das unter dem Namen der fiktiven Künstlerin Reena Spaulings operiert und sich einer systemreflexiven, selbstironischen und kollektiven Malerei widmet.

 

Die Ausstellung „HER AND NO“ im Museum Ludwig ist die erste institutionelle Zusammenarbeit von Reena Spaulings mit einem Museum. Die eigens für die Ausstellung entstandene Installation aus neuen, neuaufgelegten und bereits bestehenden Arbeiten befasst sich im weitesten Sinn mit dem Stellenwert des Künstlers in der Gesellschaft und spielt zugleich mit dem Format der institutionellen Werkschau in einem Museum.

 

Im Zentrum der Ausstellung stehen drei großformatige sowie frei im Raum stehende Bildträger aus Aluminium. Das gemalte Sujet adaptiert Gustave Courbets berühmtes Bild „Die Begegnung (Bonjour, Monsieur Courbet)“, in dem der Maler auf Wanderschaft fernab der städtischen Kulturszene auf seinen Sammler Alfred Bruyas trifft. Reena Spaulings überführt die Szene in die heutige Gegenwart. Dabei analysiert sie nicht ohne Ironie das Bewusstsein des Künstlers für seine Rolle früher wie heute und deutet gleichzeitig auf das feinmaschige Abhängigkeitsgefüge innerhalb der Kunstwelt hin.

 

In diesem Sinne thematisiert auch die 14-teilige Porträtserie „Advisors“ die zunehmende Bedeutung von Kunstberatern auf dem Kunstmarkt. Zwar stehen Künstler seit der Moderne nicht länger in einem Auftragsverhältnis zum Mäzen – für diese Art von Beziehung kann die Gattung des Porträts heute als Sinnbild verstanden werden –, doch wirken nach wie vor Markt- und Machtmechanismen auf sie ein.

 

Die Ausstellung im Museum Ludwig gibt einen Überblick über die wichtigsten Werkgruppen von Reena Spauling. Sie ist die dritte Schau innerhalb der Projektreihe „HIER UND JETZT“, einem experimentellen Format, bei dem die Konventionen musealer Kunstpräsentation kritisch beleuchtet und die Vorgehensweisen der eigenen institutionellen Arbeit hinterfragt werden.

    

www.museum-ludwig.de

 

© Foto Startseite:

Reena Spaulings Post Card (Köln am Rhein) (II), 2010 Detail, Diptychon, Acryl auf Leinwand je 20 x 15 x 12 cm © Courtesy of the artist und Galerie Buchholz, Berlin /Cologne/New York

 

© Foto Rubrik Ausstellungen:

Reena Spaulings Advisors, Detail 12 (Suzanne Modica), 2016 Acrylfarbe auf Dibond 86,4 x 66 cm © Courtesy of the artist, Private Sammlung und Campoli Presti, London/Paris