ausstellung | mönchengladbach

Der Schrank von Ramon Haze

 

bis 28. April 2019

 

Neun unbekannte Urinale von Marcel Duchamp, gefunden in Dresden, wo Duchamp sie 1912 hinterließ und nie mehr zurückholen konnte. Weit mehr als 160 Stücke zählt das Gesamtkonvolut der Sammlung von Ramon Haze. Sie ist eine Wiederentdeckung. 1996 wurde sie von zwei jungen Künstlern, Holmer Feldmann und Andreas Grahl, veröffentlicht, die sie zunächst im Keller einer brachen Industriehalle in Leipzig ausstellten. Aus dieser Zeit ist ein Film erhalten, der die damaligen Führungen durch Leipziger Schauspielstudenten zeigt.

 

Die Sammlung ist eine posthistorische Fiktion, entstanden in der Zeit nach 1992, als die Leipziger Schule und der Kunstmarkt schlechthin den Sieg der zugleich avantgardistischen und opportunistischen, mit den Zeitläuften des 20. Jahrhunderts paktierenden bildenden Kunst feierten. Von den Fiktionen, die Künstler in den vergangenen Jahren in die Welt brachten, ist die von Ramon Haze und seinem (künftigen) Schrank der Kunst des 20. Jahrhunderts die wohl irritierendste und vielleicht auch sinnhafteste. „Der Schrank von Ramon Haze“ verbindet eine Kritik von Kunst- und Zeitgeschichte: als Setzung einer klaren Missachtung bzw. Missinterpretation der Kunst des 20. Jahrhunderts, als Herstellung einer fundamentalen Distanz zur Kunst der Vorgänger und Einrücken all ihrer Ideale, Visionen, Begriffe und Werte in die Vergangenheit.

Die Ausstellung wird die Räume im Museum völlig verändern. Die Besucher treffen auf das Wohnzimmer von Ramon Haze, den Schrank, der Initiation und Eingang in die Sammlung gibt. Daran anschließend eine Szenerie von Schwerlastregalen, Stellagen, Auslagen und Aufhängungen verschiedenartigster Objekte in den offenen Räumen der Straßenebene. Litfaßsäulen mit Texten erzeugen eine übergroße Raumbeschriftung – in Anspielung auf das Fehlen von Raumtexten im Museum Abteiberg.

  

www.museum-abteiberg.de

  • DER SCHRANK VON RAMON HAZE, Ausstellungsansicht KOW, Berlin, 2016 Foto: Ladislav Zajac | KOW Courtesy KOW, Berlin
  • DER SCHRANK VON RAMON HAZE, Ausstellungsansicht KOW, Berlin, 2016 Foto:Ladislav Zajac | KOW Courtesy KOW, Berlin
  • DER SCHRANK VON RAMON HAZE, Constantin Brancusi, Modell Unendliche Säule, 3-teilig, 1916-7 Foto: Martin Klindtworth
  • DER SCHRANK VON RAMON HAZE, Ausstellungsansicht KOW, Berlin, 2016 Foto: Ladislav Zajac | KOW Courtesy KOW, Berlin