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„Zu schön, um wahr zu sein“


bis 02. Juni 2019

 

Am 24. Februar 2019 jährt sich zum 100. Mal die Gründung der Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“. Der Kunstpalast erinnert in einer großen Ausstellung an diese Gruppierung, die bis zu ihrem Verbot 1933 bestand. Dem „Jungen Rheinland“ gehörten bis zu 400 Künstler an, von denen viele aus Düsseldorf und der näheren Umgebung stammten. Maler, Grafiker, Bildhauer, Designer, Architekten, Dichter und Schauspieler fanden sich zusammen, um der Kulturszene nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg ein wirksames Forum zu bieten und die Vernetzung mit Künstlern anderer Regionen in Deutschland und Europa zu befördern. Max Ernst, Mitglied der Künstlergruppe, beschrieb rückblickend den gemeinsamen „Durst nach Leben, Poesie, nach Freiheit, dem Absoluten, nach Wissen“ als „zu schön, um wahr zu sein“.

 

Den Kernbereich der Ausstellung bilden Werke von 12 exemplarisch ausgewählten Protagonisten wie Otto Dix, Max Ernst, Wilhelm Kreis, Carl Lauterbach, Heinrich Nauen, Lotte B. Prechner, Karl Schwesig, Adolf Uzarski, Erwin Wendt, Walter von Wecus, Gert H. Wollheim und Marta Worringer. Es handelt sich um Künstler, deren Entwicklung die Schlüsselfragen der Geschichte des Jungen Rheinland beispielhaft veranschaulichen: die traumatische Kriegserfahrung, die entweder zur Politisierung oder zu introvertierter Selbstbesinnung führen konnte, die Konflikte um fortschrittliche und moderate künstlerische Haltungen, die Marginalisierung von Frauen, das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Generationen, das Beziehungsgeflecht zwischen Akademie, Museum und freien Künstlern, das Aufkeimen des Faschismus und die unterschiedlichen Reaktionen darauf.

 

Die wachsenden Konflikte zwischen avantgardistischer Programmatik, politischem Engagement und dem täglichen Existenzkampf, die das Leben der Kunstschaffenden in der Weimarer Republik prägten, fanden im „Jungen Rheinland“ ihren Ausdruck in öffentlich werdenden Streitigkeiten, in Austritten oder Abspaltungen sowie einer Auflösung mit anschließender Neugründung.

 

Die Geschichte des „Jungen Rheinland“ markiert für Düsseldorf einen wesentlichen Augenblick künstlerischer und intellektueller Freiheit, der die Weimarer Jahre der deutschen Geschichte auch in Düsseldorf bis zu ihrem jähen Ende 1933 strahlen ließ.

 

www.kunstpalast.de

  • Arthur Kaufmann: Zeitgenossen, 1925, Öl auf Leinwand, 182 x 245,5 cm, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2019, Foto: Stefan Arendt / LVR-ZMB
  • Carl Lauterbach Karneval, 1929 Öl auf Leinwand, 130 × 145 cm Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf © Archiv Carl Lauterbach / Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf Foto: Horst Kolberg / Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf
  • Otto Dix, Bildnis der Kunsthändlerin Johanna Ey, 1924, Öl auf Leinwand, 140 x 90 cm (erworben durch die Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V.), © VG Bild-Kunst, Bonn, 2016