essay | aufwärts

Frank Kunert

 

„... Das Böse betrachte ich nicht zynisch. Ich möchte das Tiefgründige mit Leichtigkeit und Humor verbinden. Mich interessieren vor allem das Absurde im Alltag und die Menschlichkeit dahinter. Zum Beispiel, dass wir versuchen, unseren Mangel an Liebe und Sicherheit durch Pseudoliebe und Pseudosicherheit auszugleichen. Oder dass wir in aussichtslosen Situationen so tun, als sei nichts, denn das Leben muss ja irgendwie weitergehen. Mir ist wichtig, dass wir unsere Vergangenheit, unser gelebtes Leben achten. Darin steckt unsere ganze Erfahrung, unsere eigene Geschichte – und, etwas verborgen, auch unser Trost und unser Lebensmut. Wenn wir unsere Geschichte missachten, verlieren wir die Hoffnung. Wenn wir Distanz finden und über uns selbst lachen, kann es wieder weitergehen. Hinter jeder Trostlosigkeit steht der Wunsch nach Trost. Satire geht tief in die Tristesse hinein, aber auch durch sie hindurch und macht den Trost so wieder zugänglich ...“

 

Frank Kunert – Verkehrte Welt,

Thilo von Debschitz (Hg.), Uta von Debschitz (Text), HatjeCantz, Ostfildern 2008, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2009