essay | sterben

On borrowed time

Sterben als Alltag  – und als Geheimnis, als geheimnisvoller Übergang – wohin?

 

Der finnische Künstler Henrik Malmström (geb. 1983) hat die letzten vier Monate im Leben seiner krebskranken Schwester Maija mit der Kamera begleitet. In dieser Zeit war die Fotografie sein Weg, sich mit ihrer Krankheit und dem Tod auseinanderzusetzen. Der Blick durch die Kamera verschaffte ihm eine Distanz, die es ihm leichter machte, damit umzugehen. 2010 zeigte er die Bilder in einer Ausstellung auf der Photokina Köln. Henrik Malmström  studierte von 2004-2011 in Helsinki Media Technology und lebt zurzeit in Hamburg. Seine Arbeit ist oftmals ein Ergebnis von Wechselwirkungen mit seiner unmittelbaren Umgebung.

© Henrik Malmström | www.henrikmalmstrom.de

 


Fritz Roth

Das letzte Hemd ist bunt

Unser ganzes Leben lang streben wir nach Selbstbestimmtheit und Autonomie. Doch als Trauernde lassen wir uns unsere Toten stehlen. Wir haben gelernt, zu delegieren, uns auf „Experten“ zu verlassen. Und spätestens, wenn wir persönlich mit dem Verlust eines nahe stehenden Menschen konfrontiert sind oder wenn uns eine lebensbedrohliche Krankheit überkommt, erkennen wir schmerzlich, dass die alten Rituale nicht mehr passen.

Wir sind als Individuen und auch als Gesellschaft gefordert, eine neue Sterbe- und Trauerkultur zu entwickeln. Wollen wir unser Leben (bis zum Ende) gestalten oder nur verwalten? Wie ist es um den Wert der Individualität bestellt, wenn wir sie im entscheidenden Moment verschenken? Trauer sollte wie jede Krise nicht als lästiges Hindernis, sondern als langer Weg einer Veränderung verstanden werden. Dann erst können wir die Chancen dieser Erfahrung nutzen und erkennen: Auch allem Ende wohnt ein Zauber inne.

 

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Gebunden | 189 Seiten
ISBN 978-3-593-39476-3 |  € 19,99
Verlag: campus

 


Peter Handke 
Wunschloses Unglück

 

„Unter der Rubrik Vermischtes stand in der Kärtner Volkszeitung folgendes: ‚In der Nacht zum Samstag verübte eine 51jährige Hausfrau aus A. (Gemeinde G.) Selbstmord durch Einnehmen einer Überdosis von Schlaftabletten.‘ Es ist inzwischen fast sieben Wochen her, seit meine Mutter tot ist, und ich möchte mich an die Arbeit machen, bevor das Bedürfnis, über sie zu schreiben, das bei der Beerdigung so stark war, sich in die stumpfsinnige Sprachlosigkeit zurückverwandelt, mit der ich auf die Nachricht von dem Selbstmord reagierte.“

Sieben Wochen nach dem Suizid seiner Mutter beginnt Handke, seine Erzählung über das Leben seiner Mutter zu verfassen. Er beschreibt ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen und bringt gleichzeitig autobiographische Aspekte und eigene Empfindungen während des Schreibens mit ein.

 

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Taschenbuch | 96 Seiten
ISBN: 978-3-518-39787-9 | € 6,50
Verlag: suhrkamp

 


Gian Domenico Borasio 
Über das Sterben


Am Anfang des Buches steht ein ungewohnter Gedanke: Geburt und Tod haben viel gemeinsam, beides sind Ereignisse, für die die Natur bestimmte Programme vorgesehen hat. Sie laufen dann am besten ab, wenn sie möglichst wenig gestört werden. Palliativbetreuung und Sterbebegleitung, wie Borasio sie versteht, sind deshalb viel mehr als medizinische Symptomkontrolle. Vor allem leben sie von der Kommunikation, dem Gespräch zwischen allen Beteiligten, das die medizinische, psychosoziale und spirituelle Betreuung erst möglich macht. In seinem Buch beschreibt der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio, was wir heute über das Sterben wissen und welche Mittel und Möglichkeiten wir haben, unsere Angst vor dem Tod zu verringern sowie uns auf das Lebensende vorzubereiten. Sachlich informierend und argumentierend setzt sich Borasio auch mit dem schwierigen Thema Sterbehilfe und mit Mythos und Realität der Palliativ- und Hospizarbeit auseinander. 

 

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Gebunden | 207 Seiten
ISBN: 978-3-406-61708-9 | € 17,95
Verlag: C.H.Beck

 


Florentine Degen
Ich könnte das nicht – Mein Jahr im Hospiz


Was verschlägt eine gesunde 20-Jährige, die gerade von der Schule kommt, in ein Sterbehospiz? Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr. Jeder kann sich unter einem Hospiz etwas vorstellen, aber niemand setzt sich damit auseinander, wenn er nicht muss. Denn für die Menschen dort gibt es keine Hoffnung auf Heilung mehr. Und wer sich entscheidet, dort zu arbeiten, wie Florentine Degen, muss sich mit dem Tod arrangieren. Er gehört zum Alltag. Der einfachste Weg: Distanz aufbauen.

Aber genau das will sie nicht. Sie will den Menschen nahe sein - auch wenn sie dabei auf Widerstände stößt. Und sie muss darüber schreiben, um einen klaren Kopf zu behalten. Denn dass Hoffnungslosigkeit auch befreiend sein kann, ist nur einer der Widersprüche, denen sie sich tagtäglich stellen muss.

 

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Taschenbuch | 256 Seiten
ISBN: 978-3-462-04341-9 | € 8,99
Verlag: Kiepenheuer & Witsch

 


Horst und Margret Wanetschek
Grabmale – Zeichen der Erinnerung


Der individuelle Grabstein ist eine besondere und wichtige gestalterische Aufgabe des Steinmetzen und Bildhauers. Für die Hinterbliebenen ist er ein würdiges Zeichen der Erinnerung an den Verstorbenen und – im Gegensatz zum vorgefertigten Industriestein – ein Sinnbild für dessen Individualität. Die mehr als 400 Beispiele dieses Buches zeigen Grabmale unterschiedlichster Form und Oberfläche, von der einfachen Stele über von Schrift oder Relief geprägte Grabzeichen bis hin zu Gestaltungen nach biblischen Themen oder Themen aus dem Leben des Verstorbenen. Ergänzend werden auch Urnengräber und Grabmale aus Holz und Metall dargestellt. Ein Fachbuch für Steinmetze und Bildhauer, als Anregung für die eigene Arbeit und als Mittel der Verständigung zwischen Handwerksmeister und Hinterbliebenen.

 

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Gebunden | 144 Seiten
ISBN: 3-7667-1631-X | € 59,95
Verlag: Callwey

 


Beate Lakotta, Walter Schels
Noch mal leben vor dem Tod: Wenn Menschen sterben


Fünfundzwanzig Geschichten von Menschen, die unheilbar krank sind, die davon erzählen, wie es ist, dem Tod sehr nahe zu sein und Abschied vom Leben nehmen zu müssen. Eindrucksvolle Porträts, aufgenommen kurze Zeit vor und unmittelbar nach dem Tod, begleiten sie. Kaum etwas bewegt uns so sehr wie die Begegnung mit dem Tod. Kaum etwas geschieht heute so verborgen wie das Sterben. Die Journalistin Beate Lakotta und der Fotograf Walter Schels baten Schwerkranke, sie in den letzten Tagen und Wochen begleiten zu dürfen. Aus diesen Begegnungen entstanden einfühlsame Schilderungen mit zahlreichen scharz-weiß Fotografien von Menschen am Ende ihres Lebens. Die meisten verbrachten ihre letzte Zeit im Hospiz, einem Lebensort für Sterbende, an dem Hoffnungen und Ängste gleichwiegen: Wer hier einzieht, wird die Zeit bis zum Tod so bewusst und schmerzfrei wie möglich erleben können. Doch es bleibt ihm nur eine kurze Spanne, um Bilanz zu ziehen, Frieden mit sich und anderen zu machen, sich mit dem Tod zu befassen und mit der Frage nach dem Danach.

 

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Gebunden | 224 Seiten
ISBN: 978-3-421-05837-9 | € 39,90
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt