sept 2016 | stadtzauber interviewt

Dr. Petra Oelschlägel


Direktorin des Kunstmuseum Villa Zanders

Sie widmen aktuell eine ganze Ausstellung der Farbe Schwarz. „Schwarzarbeit“ klingt erstmal nach dunklen Machenschaften. Wie erklären Sie sich die negative Konnotation der Farbe?
PO:
Mit Schwarz bringt man häufig düstere, traurige, aber auch illegale Machenschaften wie Schwarzgeld oder Schwarzmarkt in Verbindung. Dabei haben diese Begriffe ihre Herkunft aus dem Agieren im Verborgenen. Tatsächlich beinhaltet die Beschäftigung mit dem Phänomen Schwarz auch die Beschäftigung mit dem Licht.


Künstler wie Kasimir Malewitsch oder Ad Reinhardt glaubten, mit ihren schwarzen Bildern die „allerletzten Bilder, die letzten, die man irgend machen kann“ gemalt zu haben. Wie kamen sie zu dieser Behauptung?
PO:
Sie hielten ihre schwarzen Bilder für eine absolute Aussage. Ad Reinhardt verweigerte sich dem herkömmlichen Verständnis von Malerei und wollte die Kunst von allem Ablenkenden reinigen. Doch auch wenn er seit 1953 nur vermeintlich schwarze Bilder malte, blieb die Farbe im Zentrum seines Interesses. Das Leuchten richtete sich nur nach innen.


Auch die Existenzialisten beanspruchten die unbunte Farbe für sich. Was hatten die charakteristischen schwarzen Rollpullis mit der ‚Daseinsproblematik‘ zu tun?
PO:
Der Existentialismus kritisiert die der Existenz vorausgehende Sinnbestimmung. Insofern waren auch Themen wie Freiheit, Verantwortung, Angst oder Tod zentrale Themen für sie. Schwarz war eine Farbe der Verweigerung. Das Klischee der schwarzen Rollkragenpullover trifft dann aber eher auf den Existentialismus als Teil einer Popkultur der 50er und 60er Jahre zu.


Schwarz schluckt Licht und lässt alles tief und konturlos wirken. Wie schaffen es Künstler, ihren schwarzen Werken dennoch so viel Lebendigkeit zu verleihen?
PO:
Viele Maler, die schwarze Bilder erstellen, arbeiten mit etlichen unterschiedlichen Farbschichten und malen gar nicht mit schwarzer Farbe. Sie erreichen einen Grad von Dichte und Intensität, der niemals nur mit schwarz hätte erreicht werden können. Der in unserer Ausstellung vertretene Künstler Frank Gerritz hingegen arbeitet mit dicken, schwarzen Öl-Wachsstiften auf Aluminium und erstellt Objekte, die auf einzigartige Weise eine Veränderung des Lichts zeigen, wenn es über die Oberfläche streift. Schwarze Flächen werden auch zu Spiegeln, die auf faszinierende Weise die Umgebung reflektieren.


Im Zusammenhang mit dem Medium Fotografie, insbesondere der analogen Schwarzweißfotografie, spielt Schwarz eine wichtige Rolle. Wie kam die Auswahl der fotografisch arbeitenden Künstler in Ihrer Schau zustande?
PO:
Natürlich unterliegt sie gewissen Zufällen, doch habe ich Künstler wie Barbara Dörffler oder Michael Wittassek ausgewählt, die seit vielen Jahren mit enormer Konsequenz die Grenzen des Schwarz-Weißen ausloten und das Medium eher experimentell einsetzen.


Welcher Aspekt im Ausstellungskonzept war Ihnen besonders wichtig?
PO:
Es gehört zu meinem Ausstellungsansatz, immer wieder auch thematische Projekte zu realisieren, die soziale Fragestellungen in den Kontext der Kunst holen. Dies kann z.B. wie im Falle von „EINRICHTEN – Leben in Karton“ 2009 die Verbindung von Kunst, Design und Architektur mit Obdachlosigkeit sein. Natürlich geht es in „Schwarzarbeit – Die Magie des Dunklen“ nicht um eine Huldigung der illegalen Beschäftigung. Das begleitende Programm holt die Realität des eher assoziativ gewählten Titels dann aber mit einer Lesung von Günter Wallraff „Aus der Dunkelzone Deutschland“ ins Museum und schafft ungewöhnliche Blickwechsel, die mich reizen.


Frau Dr. Oelschlägel,
vielen Dank für das Gespräch!