stadtzauber interviewt

Susanne Imhoff

Vorstandsvorsitzende der Imhoff Stiftung

 

Die gemeinnützige Imhoff Stiftung hat ihren Sitz im Kölner Schokoladenmuseum und hat bis heute fast 19 Millionen Euro für gemeinnützige Projekte aufgewendet.

Susanne Imhoff ist seit 2017 Vorstandsvorsitzende und führt die Stiftungsgeschäfte. Nach über 20 Jahren ist sie so zumindest beruflich wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Vorher war sie in unterschiedlichen pädagogischen und sozialen Bereichen tätig, besonders in der Frühpädagogik. Susanne Imhoff hat 4 inzwischen erwachsene Kinder und pendelt wöchentlich zwischen Köln und Hamburg.

 

Sie führen seit einem Jahr die Stiftung, die Ihr Vater Hans Imhoff im Jahr 2001 ins Leben gerufen hat. Können Sie uns kurz darstellen, welche Bereiche die Stiftung im Schwerpunkt unterstützt.

SI: Die gemeinnützige Imhoff Stiftung wurde von meinem Vater errichtet, um der Stadt Köln – genauer gesagt, den Menschen, die darin leben, „Gutes“ zu tun. Alle Projekte müssen also Kölnerinnen und Kölnern zugute kommen, besonders Kindern und Jugendlichen. Der Stiftungszweck wurde bewusst breit gefasst, sodass ein großer Teil des gesamtgesellschaftlichen Lebens darin berücksichtigt wird. Wir fördern unterschiedlichste Projekte z.B. aus Kunst und Kultur, aus der Pädagogik, aus der Wissenschaft und ganz besonders das Therapeutische Reiten in unserer Reitanlage in Köln-Porz.

 

Was bedeutet es für Sie persönlich, eine Stiftung zu führen, die in den Gedanken Ihres Vaters Ziele und Aufgaben definiert hat?

SI: Zunächst erfordert es mein vorbehaltloses „Ja“ zum Stiftungsgedanken an sich und zu der Intention meines Vaters, einen großen Teil seines Vermögens den Menschen in Köln quasi zu schenken. Das Vermögen der Stiftung gehört ja nicht der Familie, sondern sich selbst und die Erträge werden ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwendet.

Für diese Idee zu arbeiten bedeutet auf jeden Fall: Viel Freude! An jedem Tag, an dem ich mit Menschen spreche, die mir ihre neuen Projekte vorstellen und ich deren unglaubliches Engagement spüre, gehe ich abends klüger ins Bett, als ich morgens aufgestanden bin.

Mein Privatleben hat sich natürlich drastisch verändert: Während der Woche bin ich in Köln, am Wochenende in Hamburg. Ich verbringe sehr viel Zeit im Zug; immer wieder ein Abenteuer!

 

Sie sind selber Mutter und die Förderung von Kindern und Jugendlichen steht im besonderen Fokus des Engagements der Stiftung. Was glauben Sie ist zwingend nötig, um die Aufmerksamkeit und Fürsorge für Kinder und Jugendliche in diesem Land besser aufzustellen?

SI: Diese Frage kann ich so pauschal nicht beantworten. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass besonders nachhaltig erlebte persönliche Begegnungen den Menschen prägen, und zwar sowohl in der Familie als auch außerhalb. Ganz am Beginn steht die intakte Eltern-Kind Interaktion genauso wie die bedürfnisorientierte Betreuung von Krippenkindern. Ist diese Basis für die Herzensbildung gelegt, sollte dies ein ausreichend starkes und tragfähiges Fundament sein für alles, was danach kommt. Wir alle wissen, dass dies aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer möglich ist. Die gute Nachricht: es ist nie zu spät. Auch in der späteren Kindheit und im Jugend- oder Erwachsenenalter können Begegnungen zur richtigen Zeit mit den richtigen Menschen Impulse setzen, die Biographien beeinflussen können. Und genau da setzen viele Projekte an, die die Imhoff Stiftung besonders gern fördert.

 

Wie sehen Sie allgemein die Wertschöpfung von gemeinnützigen Stiftungen für unsere Gesellschaft?

SI: Stellen Sie sich vor, Sie haben Geld und einen Wunsch, der Ihnen langfristig am Herzen liegt. Wenn dieser Wunsch so formuliert wird, dass dies als „gemeinnützig“ anerkannt wird, können Sie eine Stiftung gründen: Sie verschenken Ihr Vermögen, haben aber über Ihr Ableben hinaus den Finger drauf – und zwar je nach Satzungsformulierung genau so, wie Sie das möchten. Der Stiftungszweck darf allerdings nach Errichtung der Stiftung nicht mehr geändert werden- auch nicht von Ihnen selbst! Dass dieser Zweck ordnungsgemäß erfüllt wird, wird von der behördlichen Stiftungsaufsicht und vom Finanzamt von nun an streng überwacht.

Solange eine Stiftung nicht übermäßig groß ist und deshalb einseitig auf gesellschaftlicher oder politischer Ebene Einfluss ausüben könnte, ist das also auf jeden Fall eine gute Sache!

 

Die Entscheidung, ob ein Förderantrag ein „Ja" oder ein „Nein“ bei der Imhoff Stiftung bekommt, ist sicherlich eine Herausforderung, die durch verschiedene Betrachtungswinkel gesehen werden muss. Wie gehen Sie dabei vor?

SI: Das ist tatsächlich eine Herausforderung, die mich die ein oder andere Nacht um den Schlaf bringt– gleichzeitig ein echtes Luxusproblem. Viel schlimmer wäre es, müsste ich guten Projekten hinterherlaufen. Die Tatsache, dass so viele Projekte in die engere Entscheidung kommen, liegt natürlich auf der einen Seite am breit gefassten Stiftungszweck, auf der anderen Seite daran, dass es unglaublich viele, engagierte Menschen mit großartigen Ideen in Köln gibt! Gleichzeitig sind unsere Mittel natürlich begrenzt, der Kapitalmarkt ist ja, das ist kein Geheimnis, seit langer Zeit nicht besonders anlegerfreundlich.

Um bestmöglich entscheiden zu können, habe ich einen sogenannten „Wertekompass“ entwickelt, anhand dessen ich unterschiedliche Aspekte betrachte und gewichte. Unter anderem werden dabei die Risikoinvestition in die Zukunft, die persönliche Motivation und die emotionale Nachhaltigkeit berücksichtigt. Die Entscheidungsfindung zweimal jährlich ist immer ein spannender, aber auch anstrengender Prozess, den ich glücklicherweise nicht alleine durchlaufen muss.

 

Im Bereich von Kunst und Kultur gibt es das Projekt Hans Imhoff - Konzerte, die Konzertreihe, die Sie gemeinsam mit der Kölner Philharmonie gestalten (nächstes Konzert ist am 11. März 2019). 

Musik ist ein Kulturbaustein, der immer wieder einen sehr gelungenen Verständigungstransfer zwischen den Kulturen leistet und oft einen sehr niederschwelligen Zugang für Kinder und Jugendliche bietet, die hier verschiedenste persönliche Erfahrungen machen können. Was glauben Sie sind die Stärken von Kunst und Kultur für Menschen in unserem Kulturkreis und welche Rolle sollte Kunst und Kultur im Kontext der Familien spielen?

SI: In jedem Kulturkreis stellen Kunst und Kultur die Verbindungen dar, die die Gesellschaft zusammenhalten. Wir verstehen nicht nur besser, was war, sondern auch besser, was ist. In den verschiedenen Schnittstellen treffen sich Menschen, die sich zumindest in diesem Bereich einig sind – und damit ist ein unersetzbarer Beitrag für Verständigung geleistet. Auch wenn ich mir mehr Durchlässigkeit in vielen Bereichen wünschen würde, ist die Vielfältigkeit des gesellschaftlichen und persönlichen Erlebens nirgendwo sichtbarer als in Kunst und Kultur.

Jede Familie braucht soviel an Kunst und Kultur, wie ihr gut tut. Mein Credo: Der, der irgendwie die Türklinke bedienen kann, sollte die Tür öffnen – gleichzeitig hat jeder dann auch das Recht, an der Tür mit gutem Gewissen vorbei zu gehen.

 

Welches Buch möchten Sie unseren Lesern empfehlen?

SI: Meine Empfehlung? Lesen Sie, was Sie mögen – wenn es Ihnen hinterher besser geht als vorher oder Sie irgendetwas davon gehabt haben, war es das richtige Buch. So ging es mir mit dem Bilderbuch „Monsta“ von Dita Zipfel und Mateo Dineen (das wird auch im Rahmen der Lit.kid.Cologne am 27. März im Alten Pfandhaus gelesen), und mit dem Roman „Das Glück des Zauberers“ von Sten Nadolny. Im Moment profitiere ich gerade von „101 Dinge, die ein Läufer wissen muss“ von Sonja von Opel – im Juni möchte ich nämlich mit ihrer Unterstützung meinen ersten Halbmarathon laufen!

 

Frau Imhoff,

vielen Dank für das Gespräch!

März 2019