jan 2014 | stadtzauber interviewt

Louwrens Langevoort


Intendant der Kölner Philharmonie/ Geschäftsführer der KölnMusik GmbH


Haben Sie heute Morgen schon Musik gehört?

LL:
Man könnte denken, dass das bei mir zu den morgendlichen Gewohnheiten gehört – das ist nicht unbedingt so. Heute Morgen war es dann aber doch so: Auf der Autofahrt von mir privat zur Philharmonie, die ca. 5-6 Minuten dauert, habe ich eine Bruckner-Sinfonie gehört. Sicherlich kann man sich bei mir denken, dass ich den ganzen Tag Musik höre, doch einfach hören ist es bei mir nicht. Ich zelebriere das Hören, im Opernhaus, im Konzerthaus, das echte Live-Erlebnis. Ich liebe meine ganzen CD’s und LP’s, die ich alle gehört habe. Sie sind die Grundlage dafür, dass ich heute meine Aufgabe hier am Haus meistern kann. Ich hab vieles, sehr vieles gehört und mir damit meine Referenz aufgebaut, die Musiklandschaft ausgesprochen gut zu kennen. Diese Referenz baue ich täglich weiter aus, indem ich täglich ins Konzert gehe. Alleine bei uns im Haus finden bis zu 50 Konzerte in einem Monat statt. Darüber hinaus ist es für mich spannend, immer wieder auch andere Konzerthäuser, Opern, Festivals und musikalische Highlights zu besuchen. So gestaltet sich mein Musikgenuss vielfältig und so ergeben sich dann auch die Momente, in denen ich die Ruhe genieße und keine Musik höre. Musik muss man bewusst hören und nicht als eine Dekoration verstehen. Ich mag es z.B. absolut nicht, wenn Musik im Hintergrund eines Restaurants läuft – eine Unsitte. Musik ist nichts Zweitrangiges, Musik ist etwas Zentrales. Wenn sie als solche verstanden und gelebt wird, holt sie aus dem Menschen Emotionen und Begeisterung hervor.


Seit wann sind Sie jetzt Intendant?
LL:
Intendant im Allgemeinen bin ich seit 1994 und Intendant hier in Köln bin ich seit 9 Jahren, im Februar beginnt das 10. Jahr.


Wir dürfen in den zurückliegenden Jahren einen extrem kreativen Herrn Langevoort mit Team erleben. Die Bandbreite der Zugänge, die Sie in der Musik eröffnen, ist immer wieder andersartig und lässt bei mir die Frage entstehen, ob Sie sich manchmal wünschen, einen anderen Begriff für Ihr Haus zu benutzen als Philharmonie?
LL:
Die Vorstellung für ein anderes Wort ist sicherlich charmant, aber mir ist es wichtig, dass wir unser Publikum bewusst mit dem Begriff „Philharmonie“ abholen, da der Besucher unter dieser Bezeichnung „Dinge gelernt“ hat und diese hier entsprechend eingelöst werden, z. B. ein Konzert der Wiener Philharmoniker. Spannend ist Ihre Frage in Hinblick auf ein Publikum, das wir in erster Linie nicht bei uns erwartet haben, welches wir aber ebenso erreichen möchten – so geschehen beispielsweise mit dem zurückliegenden Festival „New Sounds of Iran“. Hier könnte es dann ein anderes Wort für unsere Spielstätte sein, um dieses Publikum gezielter abzuholen. Ich denke aber, dass es uns sehr gut gelungen ist, die Vielfalt in unserem Musiksaal unter dem Begriff „Philharmonie“ großzügig aufzustellen.


Diese gelungene und gelebte Vielfalt der Musikgenres und -zugänge der Kölner Philharmonie scheint durch Sie und Ihr Team immer wieder neue Wege gehen zu wollen und die Menschen für die Vielfalt der Musik zu begeistern. Was hat es auf sich mit der Idee von philharmonie.tv?
LL: Die klassische Form, ein Konzert aufzunehmen und somit reproduzierfähig zu machen, ist bei uns Tagesgeschäft und gehört seit Jahren zum festen Repertoire. Mit diesen Aufzeichnungen können wir erheblich mehr Menschen über das Medium Radio und Fernsehen einladen und für unser Angebot abholen. Alleine schon dadurch, dass der WDR Mitgesellschafter der KölnMusik ist, haben wir hier eine großartige Dichte an Musikaufzeichnungen anzubieten. Mit den neuen technischen Möglichkeiten wollen wir neben der klassischen Aufzeichnung bewusst das Internet als qualitatives Medium für Konzertübertragungen einbinden. Wir sind ein subventioniertes Haus und stehen in der Pflicht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Menschen für uns zu begeistern und sie dort mitzunehmen, wo ihre persönlichen Grenzen erreicht werden – z. B. bei Menschen, die uns aus gesundheitlichen oder anderweitigen Gründen nicht besuchen können. Es ist jetzt möglich, sich zeitversetzt oder aufgrund der Begeisterung zu einem bestimmten Konzert eine Vorstellung erneut anzuhören oder erstmalig zugänglich zu machen. Dank JTI können wir sechs Konzerte live über unsere Website anbieten. Ich hoffe, dass es für die Zukunft noch mehr werden.


Bei der Realisierung der Streamings erwähnen Sie bereits einen Sponsor. Sie sind bekannt für für Ihre Fähigkeit, Geldgeber für Ihr Haus zu finden. Wie schaffen Sie das immer wieder?
LL:
Wir haben viele gute Ideen und Konzepte und präsentieren unseren potentiellen Sponsoren damit Angebote, die für etwas Neues stehen und genau das suchen Sponsoren: Neues. Partner wollen Neues mit aufbauen und sich in Ideen wiederfinden und spiegeln. Dazu muss man genau zuhören, was das Gegenüber schätzt, um es im Kreativbereich begleiten zu können. Bildung, Jugend und das Außergewöhnliche sind starke Parameter, die unsere Partner heute fördern möchten. So sieht beispielsweise unser exklusiver Partner Lanxess diese Kriterien in der Zusammenarbeit mit uns bestens vereint. Partner wollen Ziele erreichen und das deckt sich mit unserer Arbeit. Wir definieren uns ständig über neue Ziele, die wir erreichen und die uns damit Alleinstellungsmerkmale in der Musiklandschaft sicherstellen, z. B. ist das Festival „Acht Brücken“ solch ein Ziel für uns gewesen und wird es weiterhin sein. Menschen für Musik in und um die Kölner Philharmonie zu begeistern – das ist mein persönliches Tagesziel bei Musikliebhabern, Sponsoren und/ oder den
potentiellen Musikfreunden.


Herr Langevoort,
vielen Dank für das Gespräch!