stadtzauber interviewt

David Linley

Neffe der Queen / Vorstandsvorsitzender von Christie's & Designer

 

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Inneneinrichtung?

DL: Ich habe meine Firma 1985 gegründet. 1999 sollte ich das Haus einer Freundin einrichten. Dabei hatte ich alle Freiheiten. Dann ging es los. Jetzt macht Inneneinrichtung einen großen Teil unseres Geschäfts aus, vor allem in Russland.

 

Sie bringen den Russen britischen Stil bei?

DL: Unser Design ist ein Service. Wir sind kein Diktator. Wir fragen die Menschen, was sie möchten. Und das macht es auch interessant.

 

Auf was achten Sie als Erstes?

DL: Ich bin sehr praktisch veranlagt. Vielleicht liegt das daran, dass ich halb Deutscher bin. Ich benutze das Licht vom Fenster, wenn man etwa in der Küche arbeitet oder wenn man am Schreibtisch sitzt.

 

Sind große Wohnungen und Häuser heute Luxus?

DL: Ach, Menschen, die in Wohnungen leben, wollen ein Haus. Menschen, die in Häusern wohnen, wollen eine Wohnung. Die Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer ein bisschen süßer. Ich habe beide Varianten ausprobiert. Doch wo war ich glücklicher? Puh. Ich hatte ein riesiges Loft, bevor wir Kinder hatten. Man musste sehr viele Stufen nach oben bewältigen, doch man wurde mit einem tollen Blick über London und die Themse belohnt. Ich lebte wie in einer Skulptur. Alles war auf einer Ebene. Riesig. Wir hatten einen Tisch für 24 Leute. Es war eine große Freiheit. Doch wenn wir keine Gäste hatten, hielten wir uns nur in der kleinen Küche auf. Nirgendwo sonst.Den Menschen gefällt das Kleine.

 

Wie kamen Sie mit Kunst in Kontakt?

DL: Das habe ich aus meiner Familie. Meine Großmütter von beiden Seiten wie auch meine Mutter und mein Vater haben uns immer motiviert. Als ich klein war, besuchten wir die National Gallery. Nur um ein Bild anzuschauen. Dann sind wir wieder gegangen. Mit meinen Kindern habe ich das auch so gemacht. Ein Galeriebesuch muss etwas von einem Abenteuer haben.

 

In London kosten aber auch alle großen Museen keinen Eintritt.

DL: Stimmt. Das ist großartig.

 

Welches Museum sollte man bei einem London-Besuch nicht auslassen?

DL: Schwierig. Es gibt so viele. Das Soane Museum ist liebenswert klein. Die Dulwich Picture Gallery ist fantastisch. Natürlich sind die National Gallery und National Portrait Gallery Weltklasse.

 

Wie geht es dem Kunstmarkt im Moment?

DL: Ich habe 2006 angefangen, das war ein sehr gutes Jahr. Dann aber kam 2008, was sehr schlecht war. Die vergangenen zwei Jahre aber waren wieder gut. Wir hatten unglaublicheRekordverkäufe.

 

Haben Sie Tipps für mich? Wie sollte ich mich bei einer Auktion verhalten?

DL: Da gibt es viele Möglichkeiten. Sie könnten nackt kommen.

 

Wie bitte?

DL: Sie können online bieten. Das ist natürlich radikal. Manchmal geht man in South Kensington zu einer Auktion, und es sind gerade mal zwei, drei Leute da. Die anderen bieten im Internet. Manchmal aber gibt es überhaupt keinen Platz mehr bei den Auktionen. Ich mag es, vor Ort zu sein. Die Atmosphäre und die Aufregung zu spüren. Menschen, die schon lange bei Christie’s arbeiten, wissen recht schnell, wie eine Auktion ablaufen könnte. Und Auktionen sind ein Teil der Geschichte.

 

Wie meinen Sie das?

DL: Manche Objekte werden nur bei einer Auktion für ganz kurze Zeit einer Öffentlichkeit präsentiert. Es ist toll sagen zu können, dass man dabei war, als dieser Picasso oder jener Warhol verkauft wurde.

 

Sie arbeiten mit Sammlern zusammen, die unglaublich viel Geld ausgeben. Warum ist es gut, in Kunst zu investieren?

DL: Die erste Regel ist: Man sollte es nicht als Investition sehen. Einer der größten Sammler der Welt versicherte mir, dass er schlichtweg die Objekte liebe. Er wurde bei seiner Kunst aber nur von seiner Leidenschaft und seinem Geschmack getrieben. Es geht um die Schönheit der Kunst. Wenn sie dann im Wert steigt, ist das Glück.

 

Lassen Sie uns über Stil sprechen. Was ist guter Stil?

DL: Es gibt nur wenige Menschen, die guten Stil haben. Yves Saint Laurent beispielsweise. Wir befinden uns im Moment aber eher an einem Tiefpunkt. Ich weiß nicht, was ich in zehn Jahren sagen würde, was das Jahr 2013 auszeichnet. Alles sieht ziemlich gleich aus.

 

Warum ist das so?

DL: Weil es einfach ist. Die nächste Generation muss etwas ändern. Stil hat immer etwas mit der Person zu tun. Oft steht dies in Zusammenhang mit dem Selbstbewusstsein. Wenn man gleich Getränke bereithält, wirkt das sofort sehr entspannend auf Gäste. Stil hat auch immer etwas mit der Ungezwungenheit der Menschen zu tun. Wenn man gerne beim Essen fernschaut, soll man das doch einfach tun. Warum nicht? Man soll darüber nachdenken, wohin man seine Schuhe stellt, seine Jacken aufhängt. Es geht mehr darum, wie man sein Leben lebt. Die Einrichtung spiegelt das alles wider. Ich kann auch meinem Kunden nur Richtlinien geben, leben muss er sein Leben schon selbst.

 

Was sich im Wohnbereich verändert hat, ist die Rolle der Küche. Sie ist immer mehr in den Wohnbereich integriert.

DL: Das kommt darauf an, ob Sie einen Koch oder Butler haben. Dann ist die Küche separat, weil man den Geruch und die Geräusche nicht haben will. Ich aber habe weder Koch noch Butler. Warum ist man also nicht ehrlich und integriert alles? Mit einer guten Dunstabzugshaube kann man sehr nah bei seinen Gästen sein, während man kocht, und sich mit ihnen unterhalten. Quer über die Töpfe hinweg.

 

Herr Linley,

vielen Dank für das Gespräch!

November 2013