nov 2014 | stadtzauber interviewt

Tina Mendelsohn


Journalistin, Filmemachern & Moderatorin


Was war Ihr erstes Kunsterlebnis, das Ihnen in bleibender Erinnerung geblieben ist?
TM: Der Besuch des Kölner Doms, als ich vier oder fünf Jahre alt war.

Gibt es einen Kulturbereich, den Sie persönlich besonders mögen und wenn ja, warum?
TM:
Klassische Musik in Berlin, weil es dort so unprätentiös und begeistert zugeht. Theater in London, weil es kein besseres auf der Welt gibt: präzise, humorvoll und nicht auf Spektakel aus. Museen in Paris, weil sie so viel über die Geschichte und die Selbstbilder der Franzosen erzählen.


Nennen Sie uns zwei Künstler, auf die Sie unsere Leser gerne aufmerksam machen möchten. Was ist das Charakteristische an diesen Künstlern?
TM:
Die amerikanische Konzeptkünstlerin Andrea Fraser, weil sie so früh, so intelligent und angstlos, das Verschlingen der Kunst in den Kunstmarkt thematisiert hat. Oder eine meiner besten Freundinnen: Sarah Thornton, eine kanadische Autorin. Man lernt in ihren Büchern viel über die Kunst und den zeitgenössischen Kunstmarkt, wie beispielsweise in “Sieben Tage in der Kunstwelt”(S. Fischer Verlag). Ihr neues Buch “33 Künstler in 3 Akten” wird ebenfalls bei S. Fischer erscheinen.


Können Sie sich ein politisches Instrument, bzw. eine gesellschaftliche Veränderung im Gedankengut vorstellen, die noch mehr Menschen für Kunst und Kultur begeistern könnte?
TM:
Bessere und begeisterte Lehrer, denn die Schulbildung ist der Schlüssel. Ich finde, in den Schulen werden Kinder oft nicht auf das Leben vorbereitet: Sprachen lernen, recherchieren lernen, leben lernen – und lernen, weniger Angst zu haben, sollte dazugehören.


Was braucht eine gute Moderation?
TM:
Einen unabhängigen, angstlosen Blick, viele unterschiedliche kulturelle Inspirationen (Zeitungen, Theater, Oper, etc.), Reisen – ich glaube, Moderatorin zu sein, ist kein Beruf. Man muss Journalist und ein neugieriger, mitfühlender Mensch sein.


Was lieben Sie an der Sendung "Kulturzeit"?
TM:
Dass die Sendung immer wieder anders ist. Dass sie aus dem Blickwinkel von mindestens drei Ländern moderiert wird. Dass sie so unabhängig ist und im besten Sinne “old-fashioned”. Vor allem aber, dass die Kulturzeit ein genreübergreifendes Format ist: Kunst wird hier politisch gedacht und Politik aus dem Blickwinkel der Kultur diskutiert. Das sorgt dafür, dass man nicht abhebt, aber sich auch nicht mit dem Massengeschmack gemein macht.


Sie leben in London - welche Lebensqualität hält die Stadt für Sie bereit?
TM:
Ich bin vor drei Wochen nach Berlin umgezogen. Ich habe aber noch viele Koffer in London und zwei Kinder, die dort geblieben sind. Ich liebe die Toleranz der Stadt, ihre Selbstvergessenheit, die Parks, das Theater und die Pubs. Jetzt erkunde ich Berlin.


In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?
TM:
Wenn ich dachdenke und unter Druck stehe.


An welchem Charakterzug haben Sie in Ihrem Leben bewusst gearbeitet?
TM:
Da arbeitet man manchmal ganz viel an sich und kann dann plötzlich etwas ganz anderes, von dem man gar nichts ahnte. Dass ich meinem Selbst vertraue – es wird schon alles gutgehen.


Welche Liebe macht Sie glücklich?
TM:
Die meines Mannes und die meiner vier Kinder. (Und wenn Sie es denen nicht weitersagen: Mein Hund Fritz, der macht mich eigentlich am allerglücklichsten).

Was schätzen Sie an Ihren Freunden am meisten?
TM:
Treue und Toleranz.

 
Frau Mendelsohn,
vielen Dank für das Gespräch!