sept 2015 | stadtzauber interviewt

Gertrud Peters

 

Künstlerische Leiterin des KIT - Kunst im Tunnel


Ein unterirdischer, 130 Meter langer Tunnel-Restraum unter der Düsseldorfer Rheinuferpromenade und 888 qm Ausstellungsfläche – das KIT ist räumlich gesehen eine kleine Herausforderung. Was reizt Sie daran? Wie gehen Sie damit um?
GP:
Indem ich junge KünstlerInnen einlade, sich dem Raum mit all seinen Unebenheiten und Verjüngungen zu stellen. Und das machen sie alle sehr gerne und lassen sich vom Raum inspirieren. So können ortsspezifische Werke entstehen wie zum Beispiel die große Tapete der Klasse Katharina Grosse oder die atmosphärisch dichte Stimmung, die Pauline M’barek dort schuf. Zu sehen, was die KünstlerInnen mit dem KIT machen, ist immer wieder spannend und auch für mich inspirierend.


Seit 2007 haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, das KIT mit jährlich vier bis sechs Ausstellungen zu bespielen. Vor allem junge Künstler der Kunstakademie Düsseldorf sind häufig vertreten. Kann das KIT als Sprungbrett für die internationale Akzeptanz und Anerkennung in der Kunstwelt gesehen werden?
GP:
Wir zeigen Akademie-Absolventen aus der ganzen Welt und aus Düsseldorf, meist haben sie im KIT ihre erste institutionelle Ausstellung. Das hat sich herumgesprochen bei Kuratoren, Galeristen, Kunstkritikern und Sammlern. So entstehen Verbindungen, die einige Künstler schon weitergebracht haben. Außerdem vergibt das Beratungsunternehmen Baker Tilly Roelfs jedes Jahr Stipendien an die KünstlerInnen. Auch das ist eine gute Förderung.


Wie kommt es, dass sich das KIT auf junge Künstler spezialisiert hat?
GP:
Das war der Beschluss des Rates der Stadt Düsseldorf. Es sollte ein städtischer Ort für die Förderung junger KünstlerInnen entstehen. Da der Tunnelrestraum schon seit den 1990er Jahren für Offspace-Ausstellungen genutzt wurden und Prof. Fritschi, der Architekt der Rheinuferpromenade,
sich dafür einsetzte, wurde Kunst im Tunnel daraus.


Welche Bedeutung messen Sie Kooperationen mit anderen Akademien und Institutionen zu?
GP:
Stichwort Austausch! Ich möchte nicht nur eine Perspektive (die des Rheinlandes) zeigen, ich bin sehr dafür, dass sich besonders junge Menschen international vernetzen und KIT ist ein Ort der Kommunikation für sie, sowohl künstlerisch also auch persönlich.


In den meisten Fällen sind es Gruppenausstellungen, die Ihr Programm bestimmen. Eine der wenigen Ausnahmen bildete da die Einzelausstellung der Kölner Künstlerin Pauline M´barek im vergangenen Jahr, die bereits mit zahlreichen Preisen, Förderungen und Auszeichnungen geehrt wurde. Wie kam es dazu?
GP:
Gruppenausstellungen geben mehreren KünstlerInnen eine Chance, gesehen zu werden. Das ist wichtig für sie. Zweimal in der achtjährigen Geschichte des KIT nahmen wir an der Quadriennale Düsseldorf teil und die zusätzliche finanzielle Förderung machte außergewöhnliche Ausstellungen möglich. Pauline M’barek hatte ich schon früh an der KHM entdeckt und ihr die Einzelausstellung zugetraut. Meine Erwartungen wurden übertroffen und anscheinend wurde sie zeitgleich von der Kunstszene „entdeckt“.


Ist eine nächste große Einzelausstellung in Planung?
GP:
Vielleicht. Der KIT-Raum ist eine große Herausforderung für eine junge Künstlerin oder einen jungen Künstler. Das muss gestemmt werden.


Das Vermittlungsprogramm scheint einen wichtigen Stellenwert bei Ihnen einzunehmen. „meet + talk“ und „Kunstpause“ etwa finden in regelmäßigen Abständen statt. Wie wichtig sind diese Angebote, um im Gespräch zu bleiben?
GP:
Wir nehmen den Besucher und sein Interesse an den ausgestellten Arbeiten sehr ernst. Anders als in historischen Museen ist das Gespräch bei der zeitgenössischen Kunst sehr wichtig und muss in der Vermittlung im Vordergrund stehen. Jeder Mensch hat seinen eigenen inneren Bilderspeicher und kann durch neue Entdeckungen im KIT diesen Bilderspeicher aufrufen und bereichern. Dass das gut ankommt, merken wir besonders beim KUNST Apéro der Sparda-Bank. Da kommen oft bis zu 100 Gäste.


Das Café gleich im Eingangsbereich vom KIT wurde so gestaltet, dass es auch zufällige Besucher in die Ausstellungsräume zieht, bzw. die Hemmschwelle beim Betreten senkt. Ist das Konzept aufgegangen?
GP:
Dank des großartigen Weltmusik-Programmes von Achim Spyra, der das Café betreibt, kommen immer mehr Menschen auch in unseren Ausstellungsraum. Kultur wirkt spartenübergreifend, das haben wir auch bei unserem Urban Gardening-Projekt im letzten Jahr bemerkt. Man kommt schnell ins Gespräch am Rhein.


Was war das letzte Kulturereignis (außerhalb des KIT), das Sie nachhaltig beeindruckt hat?
GP:
Der Besuch des Israel-Museums in Jerusalem im Mai dieses Jahres. Die gesamte materielle Kulturgeschichte der Welt ist dort zu sehen. Auch die Atmosphäre des Ortes auf dem Hügel nahe der Stadt und der Skulpturengarten verzaubern.


Welches empfehlenswerte Buch lesen Sie momentan?
GP:
„Die Südamerika-Reise“ von Alexander von Humboldt, die ich mir zu Recherchezwecken auf mein Kindle geladen hatte und die mich dann in den Bann zog. Beim Lesen kann man die Welt noch einmal mit den Augen des Entdeckers sehen.


Frau Peters,
vielen Dank für das Gespräch!