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27. Bonner Schumannfest
27. Mai bis 10. Juni 2026 ● Bonn ● Verschiedene Orte Bonns
„Nachtstücke“ heißt das Motto des diesjährigen Schumannfests, das sich in all seinen Veranstaltungen mit dem Thema Nacht und seiner Spiegelung in der Musik auseinandersetzt. Das reicht von der Abenddämmerung bis zum Morgenrot, von der Träumerei bis zum Albtraum, von der Serenade bis zum Nocturne. Das Motto ist dem Klavierzyklus „Nachtstücke“ von Robert Schumann entlehnt, der sich in seiner Komposition wiederum auf das literarische Werk von E.T.A. Hoffmann bezieht. Schumann selbst sprach von einer „Leichenphantasie“.
Diese „Nachtstücke“, die musikalisch viel Skurriles und Dämonisches enthalten, stehen im Mittelpunkt eines Konzerts am 29. Mai. Der Pianist Pau Fernandez Benlloch spielt die vier Stücke des Zyklus, der Schauspieler Andreas Durban wird dazu passende Passagen aus dem Werk von E.T.A. Hoffmann lesen.
Eröffnung und Abschluss des Festivals gehören sozusagen vier Händen und zwei Klavieren. Am 27. Mai ist das Klavierduo Genova- Dimitrov zu Gast im Theater im Ballsaal; im Gepäck haben die beiden unter anderem drei hochvirtuose Nocturnes von Debussy in der Bearbeitung von Ravel und von Ravel selbst die Rhapsodie espagnole mit ihrem einleitenden Prelude a la nuit. Ebenfalls im Ballsaal tritt zum Finale am 10. Juni das Klavierduo Pauliin-Ensari auf. Das Ehepaar spielt die Variationen über ein Schumann-Thema von Brahms, die Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn, Fazil Says „Night“ und Strawinskys „Le Sacre du printemps“.
Wie schon in den letzten Jahren, bietet auch diesmal das nunmehr 27. Schumannfest eine Bühne für den Nachwuchs im Bereich Lied. Pauliina Tukiainen, Beraterin des Festivals in Sachen Lied, hat mit Ana Beatriz Gouveia und Hugo Peres sowie Belen Garcia Burgos und Esther Vilar Portillo zwei junge, hochtalentierte Liedduos aus Portugal und Spanien ausgewählt, die am 6. Juni ein apartes Programm präsentieren. Das reicht von Schumann und Hugo Wolf bis zu Turina und Georges Crumb mit seinem „Dance of the moon in Santiago“. Tukiainen selbst begleitet am 9. Juni den Tenor Christoph Prégardien bei seinem Liederabend. Auf dem Programm stehen unter anderem der Liederkreis von Robert Schumann mit seiner berühmten „Mondnacht“ und ausgewählte Lieder von Franz Schubert.
Musik, die gleichsam exemplarisch das Thema Nacht beschwört, ist am 30. Mai zu hören: Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ und Schönbergs „Verklärte Nacht“. Dazu kommt Clara Schumanns Klavierkonzert in einer Fassung für Streichquintett. Der Reiz des Abends liegt vor allem in der Zusammenarbeit mit dem Mahler Chamber Orchestra. Drei Mitglieder des Orchesters – Hildegard Niebuhr, Mladen Somborac und Frank-Michael Guthmann – musizieren zusammen mit vier Teilnehmern der MCO Academy in Dortmund, die an Musikhochschulen in Nordrhein-Westfalen studieren. Solistin im Klavierkonzert ist die 16-jährige Nina Frey.
Jazz spielt beim Schumannfestauch in diesem Jahr eine Rolle. „Schuman trifft Schumann“ ist das Motto am 29. Mai, wenn die New Yorker Band Hazmat Modine im Rahmen ihrer Europa-Tournee in der Endenicher Harmonie gastiert. Das von Wade Schuman gegründete Ensemble fasziniert mit seiner Mischung aus Blues, Reggae und Klezmer-Anklängen. „Strangers in the night“ heißt es hingegen, wenn Johannes von Ballestrem, zu guten Weinen bei Jacques‘ Weindepot improvisiert. Die Veranstaltung am 3. Juni beginnt um 20 Uhr. Mit seinem Partner Weindepot gibt das Festival im übrigen schon im Vorfeld einen Vorgeschmack auf sein Programm: Eine „Serenata espanola“ mit spanischen Weinen, viel Gitarrenmusik und Gesang ist für den 21. Mai angekündigt. Für den anspruchsvollen musikalischen Teil ist dabei die junge Spanierin Emma Campas zuständig.
Auf Spanien folgt Italien. Eine italienische Nacht steht in Zusammenarbeit mit dem Lionsclub Clara und Robert Schumann am 31. Mai an: Das Mailänder Ensemble Duomo, seit vielen Jahren bekannt durch seine originellen Programme zwischen Klassik und Filmmusik, wird verstärkt durch die junge Sängerin Sarah Rölli.
Ein sehr spezielles Programm stellen Mathis Wolfer und Theresa Heidler, die sich zum Duo wind&spiel zusammengetan haben, am 7. Juni vor. Wolfer, im letzten Jahr mit dem Sonderpreis für Alte Musik beim Deutschen Musikwettbewerb ausgezeichnet, und Heidler, Preisträgerin zahlreicher internationaler Orgel-Wettbewerbe, inszenieren ein fiktives Treffen zwischen den beiden niederländischen Komponisten Jacob van Eyck und Jan Pieterszon Sweelinck und reichern das Ganze an mit Moderation, eigenen Arrangements und Improvisationen. Auch Robert Neumann, der am 8. Juni das Konzert zum Geburtstag von Robert Schumann spielt, ergänzt sein Programm – Etüden von Chopin, Liszts Dante-Sonate und die Symphonischen Etüden von Schumann – mit Improvisationen.
Natürlich setzt das Schumannfest auch seine Kooperation mit dem Endenicher Rex-Kino unter dem Motto „Schumann trifft Rex“ fort. Am 31. Mai steht Ingmar Bergmans „Das Lächeln einer Sommernacht“ auf dem Programm, Bergmans erster internationaler Erfolg, eine Gesellschaftskomödie mit viel Leidenschaft, Sex und Sommernachtstraum-Anklängen. Jim Jarmuschs „Night on Earth“ folgt am 7.Juni, ein Episodenfilm, dessen Geschichten alle in einem Taxi spielen, alle in derselben Nacht, aber in fünf unterschiedlichen Städten. Die Filmmusik stammt von Tom Waits und Kathleen Brennan. Bereits im Vorfeld des Festivals ist am 10. Mai als Preview Damiano Michielettos „Vivaldi und ich – Primavera“ zu sehen. In einem Heim für verwaiste Mädchen trifft der Komponist Vivaldi auf die junge Geigerin Cecilia und bestärkt sie darin, auf die befreiende Kraft der Musik zu vertrauen und ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Michieletto findet als Opernregisseur im Film zu berührenden und betörenden Bildern.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Pau Fernández Benlloch
2. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Klavierduo Schuch-Ensari
3. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Pauliina Tukiainen
4. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Ana Beatriz Gouveia
5. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Hazmat Modine Band
6. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Emma Campàs
7. 27. Bonner Schumannfest 2026 - Sarah Rölli