musikfestival // Der Bericht wird durch unsere Kultur- und Anzeigenpartner möglich
35. Festival Alte Musik Knechtsteden: Unheimlich. Fantastisch.
19. bis 26. September 2026 ● NRW ● Verschiedene Orte NRWs
Als Schriftsteller gefeiert, als Komponist verkannt: In diesem Jahr wird der 250. Geburtstag von E.T.A. Hoffmann begangen, dessen Ruhm als Wegbereiter der fantastischen Literatur bis heute wirkt. In Vergessenheit ist jedoch geraten, dass Hoffmann nicht nur der Erfinder solch skurriler Figuren wie des Kapellmeisters Kreisler war, sondern sich selbst in erster Linie als Komponist sah. Das 35. Festival Alte Musik Knechtsteden kommt seiner angeborenen Lust an Wiederentdeckungen nach und holt Hoffmann auf die Bühne zurück. Unter dem Motto „Unheimlich, Fantastisch“ lädt das Programm dazu ein, Hoffmann und seine Gedankenwelt im Resonanzraum der Klosterbasilika Knechtsteden zu erleben.
Für E.T.A. Hoffmann war Musik die höchste Kunstform – ein Medium, das, wie er schreibt, „dem Menschen ein unbekanntes Reich aufschließt“. Und so oszilliert sein Werk zwischen Aufklärung und Abgrund, zwischen rationaler Ordnung und rauschhafter Imagination, von unheimlich über poetisch bis romantisch. Im chorsymphonischen Eröffnungskonzert mit der Rheinischen Kantorei und Concerto Köln unter der Leitung von Edzard Burchards am Samstag, 19. September bekommen wir eine Ahnung davon, wenn Hoffmanns selten aufgeführtes Miserere b-Moll dem strahlenden Davide penitente von Mozart gegenübertritt – jenes Komponisten, den Hoffmann so sehr verehrte, dass er dessen Vornamen „Amadeus“ zu seinem eigenen machte.
Mit diesem Auftakt entfaltet sich Hoffmanns Universum im Festivalverlauf in facettenreichen Perspektiven in großem historischen Bogen: So z.B. in nordischen Mythenlandschaften mit The Curious Bards und Mezzosopranistin Ilektra Platiopoulou bei der sonntäglichen Landpartie, bei einer – zweimal stattfindenden - literarisch-musikalischen Soirée mit der Pianistin Christine Schornsheim am Montag auf Schloss Arff rund um die Kunstfigur Johannes Kreisler, oder am Dienstag in einem Salonkonzert mit dem Ensemble TAMUZ im Kreismuseum Zons und einem Kammermusik-Programm rund um Beethoven und den Jahresregenten.
In einem besonderen Höhepunkt am Festivalmittwoch 23. September entführen im Nachtkonzert „Unheimlich. Fantastisch“ Residenzkünstlerin Dorothee Oberlinger, Bariton Sreten Manojlovic und das Freiburger Barockorchester in barocke Zwischenwelten und Schattenspiele von Traum und Delirium, die weit vor Hoffmanns Zeit entstanden sind – und vielleicht Inspirationsquellen für ihn waren.
Mit „Traumstoff“ realisiert Dorothee Oberlinger am Donnerstag, 24. September gemeinsam mit Andreas Scholl, Matthias Brandt und Edin Karamazov ein Musiktheaterprojekt zwischen Musik und Theater im Globe Neuss, das auf Hoffmanns enge Shakespeare-Verbundenheit anspielt – einem weiteren geistigen Vater der schwarzen Romantik. Das Konzert wird in Kooperation mit dem Kulturamt Neuss präsentiert.
Die Gregorianische Nacht am Freitagabend widmet sich die Cappella Pratensis dem Marienkult zu Beginn des 16. Jahrhunderts und der Missa de Sancta Maria Magdalena von Nicolas Champion, die sich im romanischen Kirchengewölbe zu höchster Klangvollkommenheit mit gregorianischen Gesängen vereint. Das Ensemble bietet am Nachmittag vor dem Konzert einen separat buchbaren Gesangs-Workshop für Gregorianik an.
Am Samstag, 26. September schließt sich der Bogen mit großer Leipziger Motettenkunst aus 300 Jahren Musikgeschichte, an deren Ende der Thomaskantor Johann Sebastian Bachs steht - jenem Bach, den Hoffmann glühend bewunderte: „Ich sehe in Bachs achtstimmigen Motetten den kühnen wundervollen, romantischen Bau des (Straßburger) Münsters mit all den phantastischen Verzierungen, die künstlich zum ganzen verschlungen, stolz und prächtig in die Lüfte emporsteigen“. Zum Festivalabschluss wird die Rheinische Kantorei unter Leitung von Edzard Burchards jenes filigrane Tongeflecht erklimmen.
Bildunterschrift und /-nachweis:
1. Ensemble Tamuz
2. Dorothee Oberlinger © Foto: Felix Broede
3. Freiburger Barockorchester © Foto: Foppe Schut
4. Andreas Scholl © Foto: Marco Burggreve
5. Rheinische Kantorei © Foto: Christian Palm
6. Christine Schornsheim © Foto: Astrid Ackermann