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51. Mülheimer Theatertage
16. Mai bis 06. Juni 2026 ● Mülheim an der Ruhr ● Verschiedene Orte Mülheims
Zugleich kritisch und gewitzt, voller Leichtigkeit und Lust am Sprachspiel, ernsthaft und zuweilen sarkastisch: Aus knapp 250 deutschsprachigen Uraufführungen haben die Auswahlgremien der 51. Mülheimer Theatertage die besten zwölf Stücke für Erwachsene und Kinder gewählt.
Im Zentrum stehen in Mülheim die Stücktexte, nicht deren Inszenierung. Die Konzentration auf den Text macht das Festival einzigartig. Dabei sind die Mülheimer Theatertage stets offen für neue Formen der Autorenschaft. So wie sich die Gesellschaft wandelt, wandelt sich auch das Schreiben für die Bühne. Die Mülheimer Theatertage tragen den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung, indem sie auch den neuesten künstlerischen Entwicklungen Raum geben.
Eröffnet wird das Festival nach der Preisverleihung mit dem Stück „Play Auberbach!“.
Kennen Sie Philipp Auerbach? Der Mann überlebte den Holocaust und wurde nach dem Krieg zum Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in Bayern ernannt. Als Idealist versuchte er, jüdisches Leben wieder in Deutschland zu etablieren. Nach seinem Suizid 1952 geriet er in Vergessenheit, und dort bliebe er wohl, hätten die Münchner Kammerspiele nicht bei dem Israeli Avishai Milstein ein Stück über ihn bestellt. Milstein, Jahrgang 1964, ist ein alter Theaterhase. Er hat in München studiert und blickt auf das Verhältnis der Deutschen zu den Juden mit bösem Sarkasmus. So ist „Play Auerbach!“ kein Dokutheater, sondern eine Revue zum Thema Erinnerungskultur. Sie kommt als räudig komisches Laienspiel voller Fettnäpfchen daher – und geht ans Eingemachte.
Das erste Theaterstück des Kunstkollektivs Frankfurter Hauptschule „2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger“ greift zwei ikonische Werke des Multikünstlers Kippenberger auf: Sein Buch „241 Bildtitel zum Ausleihen für Künstler“ und sein Gemälde „Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz erkennen“ – ein Bild voller in sich verkeilter kreuzförmiger Flächen. Aus beiden Anregungen machen die Frankfurter mit Referenz an die genialen Blödeleien der Neuen Frankfurter Schule 482 mögliche Werktitel, meist Oneliner zwischen Wortspiellust, Kunst-Insiderei, Klassenclownprosa – und rechter Entgleisung. Es fängt ganz lustig an, bis die Witzischkeiten zunehmend aus dem Ruder laufen. Mit diesem Stück schließt das diesjährige Festival seine Saison ab.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Schauspiel Leipzig "Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer" © Foto: Rolf Arnold
2. Münchner Kammerspiele "PLAY_AUERBACH!"© Foto: Julian Baumann
3. Schauspiel Leipzig "Der Girschkarten" © Foto: Rolf Arnold
4. Bühnen Bern "Die kleinen Meerjungraun" © Foto: Fabian Stransky
5. Münchner Kammerspiele Werkraum "2x241 Titel doppelt so gut wie Martin Kippenberger" © Foto: Sima Dehgani