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Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art

28. März bis 02. August 2026 ● Düsseldorf ● Kunstsammlung NRW – K20

Die Ausstellung präsentiert Werke aus allen Schaffensphasen der Künstlerin, führt in Truitts facettenreiche Biografie ein und beleuchtet die Mechanismen der Kanonisierung, die sie heute zu einer Wiederentdeckung machen. Die Ausstellung im K20 würdigt eine Künstlerin, die in den Vereinigten Staaten schon längst als Wegbereiterin der Minimal Art gilt und jetzt endlich in Europa mit einer großen Retrospektive gefeiert wird. Präsentiert werden Truitts bahnbrechende Skulpturen, ihre farbig leuchtenden Arbeiten auf Papier, ihre Weiß-auf-Weiß Malerei und ihre tiefschwarzen Piths, eine ihrer letzten Bildserien. Damit eröffnet die Ausstellung eine längst überfällige Neubetrachtung der Minimal Art und zeigt, dass diese Kunstströmung nicht nur eine formal rigorose, sondern durch Truitts Einsatz von Farbe eine poetische, persönliche und sinnlich erfahrbare Seite hatte.

Charakteristisch für Truitts Werk, und ein bemerkenswerter Unterschied gegenüber der Minimal Art ihrer männlichen Kollegen, ist ihr sinnlicher Einsatz von Farbe. Truitt ließ ihre Skulpturen nach maßstabsgetreuen Konstruktionszeichnungen von einem Produzenten aus zwei Zentimeter feinen Mahagoni-Bootsbausperrholz fertigen und bearbeitete die Oberflächen der Werke in einem langwierigen, körperlich intensiven Produktionsprozess. Zuerst trug sie mehrere Schichten weißer Grundierung und anschließend vierzig Schichten Acrylfarbe von Hand auf. Jede Schicht schliff sie mit Sandpapier ab, bis eine vollkommen glatte Oberfläche von außergewöhnlicher Tiefe und Leuchtkraft entstand. Farbe und Trägermaterial sollten eine Einheit ergeben, sollten sich „vermählen“, so Truitt. Außerdem ließ Truitt die Werke von kleinen Füßen anheben, so dass sie im Raum wie leuchtende Farbblöcke zu schweben scheinen. Ihr Material bearbeitete sie so lange, bis es von persönlichen Begegnungen, tiefgründigen Gedanken und Erinnerungen an Orte durchdrungen war. Mit ihren sprechenden Titeln spiegeln ihre Skulpturen persönliche Erfahrungen wider und ermöglichen empathische Zugänge zu politischen Ereignissen. Zugleich schreiben sie keine Deutung vor, sondern eröffnen Räume für unsere individuellen Assoziationen und verweisen auf universell menschliche Erfahrungen.

Die Ausstellung zeigt, dass die Kunstströmung der Minimal Art größer, vielfältiger und breiter war, als bisher angenommen und erlaubt eine überraschende Neubewertung aus der Perspektive von Anne Truitt. Gerade heute, in Zeiten digitaler Bilderflut und beschleunigter Wahrnehmungsökonomien, gewinnt Truitts sensibles Werk an neuer Relevanz. Truitt lädt ein, genauer hinzusehen, ihre Werke zu umkreisen und unsere komplexe Welt buchstäblich aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Es ist eine Anregung zum stillen Reflektieren und eine Übung in Empathie. 

kunstsammlung.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Installationsansicht K20 Sammlung, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Foto: Studio Kukulies, Düsseldorf

2. Anne Truitt, Quipe, 1984, Acryl auf Holz, 213,4 x 45,7 x 45,7 cm © annetruitt.org / Bridgeman Images / Courtesy Matthew Marks Gallery

3. Anne Truitt, Return, Harvest Shade, First Spring, Threshold, Twining Court II, © annetruitt.org / Bridgeman Images / Courtesy Matthew Marks Gallery

4. Anne Truitt, Hardcastle, 1962, Acryl auf Holz, 253,4 x 106,7 x 40,6 cm, Privatsammlung © annetruitt.org / Bridgeman Images