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Brigitte Kraemer – Wie man lebt, wo man lebt

Bis 31. August 2026 ● Essen ● Ruhr Museum 

Die Fotografin Brigitte Kraemer dokumentiert seit Anfang der 1980er-Jahre bis heute mit einzigartigem Einfühlungsvermögen den Alltag sowie die Freizeit im Ruhrgebiet und anderswo. Ihre Themen sind u.a. Camping, Kleingärten, Mann und Auto, Leben am Kanal, Glaubensgemeinschaften, Friedensdorf Oberhausen, Migration und Frauenhaus

Diese Ausstellung mit über 200 Bildern markiert den letzten Teil einer dreiteiligen Reihe zu Fotografinnen, die im Ruhrgebiet gearbeitet haben und arbeiten. Die Reihe unterstreicht die Bedeutung der Fotografie im Ruhrgebiet und vor allem in Essen, wo sich mit dem Museum Folkwang, dem Historischen Archiv Krupp, der Folkwang Universität der Künste und dem Ruhr Museum mehrere renommierte Einrichtungen zum Zentrum für Fotografie Essen zusammengeschlossen haben.

Die Galerieausstellung auf der 21-Meter-Ebene des Ruhr Museums zeigt rund 200 Dokumentarfotografien von Brigitte Kraemer aus über 40 Jahren. Bis heute ist Brigitte Kraemer freie Fotografin. Die Themen ihrer Projekte stellte und stellt sie sich in der Regel selbst und verfolgt diese teilweise über Jahrzehnte. Ihr Themen-spektrum ist groß und zeigt fast das gesamte Alltagsleben der Menschen im Ruhrgebiet.

Die Ausstellung unterteilt die verschiedenen Serien und Projekte Kraemers in drei Kapitel:

Im Kapitel „So nah“ sind die Fotografien zu den Themenfeldern Alltag und Freizeit zu sehen, die überwiegend im Ruhrgebiet entstanden. Hier steht der öffentliche Raum im Mittelpunkt, in dem Kraemer Menschen und Szenen beobachtet, die sie im Stil der Straßenfotografie oder als Reportage aufnimmt. Sie fotografiert die Menschen mit großer Empathie und auch humorvoll beim Campen und im Schrebergarten, am Kanal, beim Grillen, beim Einkaufen, im Eiscafé, in der Pommesbude, bei der Kaffeefahrt, auf der Kirmes und an der Trinkhalle. Es entsteht ein fotografisches Panorama, das die Menschen im Ruhrgebiet der letzten Jahrzehnte einzigartig porträtiert.

Im Kapitel „So fern“ geht sie an Orte, die für die Mehrheit der Gesellschaft verschlossen sind und wo die Menschen mit Problemen zu kämpfen haben: in Frauenhäusern, Frauengefängnissen oder auch im Friedensdorf International. Mit der Methode der teilnehmenden Beobachtung fotografiert sie und zeigt das Leben an diesen Orten und macht gesellschaftliche Missstände sichtbar.

Die Bilder lassen die Betrachter:innen spüren, dass Kraemer die Abgebildeten als Persönlichkeiten wahrnimmt und sie nicht auf ihre Opferrolle oder ihre tragischen Biografien reduziert. Die Bilder zeigen sowohl traurige und schwere Momente als auch lustige und unbeschwerte Situationen.

Das Kapitel „So fern und so nah“ zeigt fotografische Langzeitprojekte zur Migration und Arbeitsmigration seit den 1980er-Jahren, zu den Fluchtbewegungen seit den 1990er-Jahren sowie zu den verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Ruhrgebiet ab Mitte der 2010er-Jahre. Die Fotografien machen die Vielfalt der deutschen Migrationsgesellschaft sichtbar. Durch Kraemers respektvolle Annährung werden Einblicke in eine Parallelwelt möglich, die in nächster Nähe, aber doch verborgen existiert: Kraemer zeigt das Alltagsleben in Wohnungen von Migrant:innen aus u.a. der Türkei, dem Irak, Syrien, dem Libanon und aus afrikanischen Ländern, sie blickt in Moscheen, Synagogen und Tempel und begleitet religiöse Zeremonien.

ruhrmuseum.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Bude in der Nähe der Zeche Pluto, Herne­-Röhlinghausen 2006 

2. Am Rhein-Herne-Kanal, Gelsenkirchen 2001 

3. Mädchen aus Tadschikistan mit einem Foto der Mutter im Friedensdorf International, Oberhausen 2003 

4. Aus der Serie: Türkische Gärten, Herne 1999 

5. Frauenhaus Essen, 2013