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Chained to the Rythm – Von Mensch und Natur

01. März bis 07. Juni 2026 ● Leverkusen ● Museum Morsbroich 

Morsbroich kann auch heute noch als eine Art Gegenwelt erfahren werden – ein Ort, an dem ein Leben im natürlichen Rhythmus der Tages- und Jahreszeiten denkbar ist; ein Ort der Inspiration und der Rückbesinnung darauf, dass wir selbst Teil der Natur sind. Diese Erfahrung wollen wir unseren Besucher:innen im Jubiläumsjahr ermöglichen, indem wir die zunächst leeren Räume erlebbar machen: als Denk- und Freiräume, als Raum der Möglichkeiten. Wenn die Kunst diesen Raum dann füllt, sollen die üblichen Regeln des Museumsbetriebs, die nicht nur das künstlerische Handeln, sondern auch das Verhalten des Publikums einschränken, für einige Monate weitgehend außer Kraft gesetzt werden.

Die beteiligten Künstler:innen sind aufgefordert mit den Räumen und den spezifischen Bedingungen vor Ort zu arbeiten, sie nutzen den erweiterten Gestaltungsfreiraum und schaffen teils auch neue Werke für die Ausstellung. So werden Rubin Henkel & Niklas Bolten mit einer selbstspielenden Piano-Skulptur den Pflanzen im Schlosspark Gehör verschaffen. Morsbroich wird zur Wetterstation in einer Installation von Sebastian Gräfe und zum Brennglas der Reflektion auf die Wirkungen des Klimas bei Enya Burger, die das Licht der Sonne als gleichermaßen lebensnotwendig wie zerstörerisch inszeniert. 

Wenn Gabriela Oberkofler A Piece of (Wild) Life ins Museum bringt und Jason Dodge vorübergehend die „Wir müssen draußen bleiben“- Regel außer Kraft setzt, verwischen die Grenzen von Innen und Außen noch weiter. Wenn Lois Weinberger sich als Green Man porträtiert, Bill Viola in die Natur eintaucht oder Herlinde Koelbl erstmals keine Menschen zeigt, sondern unser Dasein angesichts der sich beständig verändernden Natur reflektiert, stellt sich die Frage nach der Verbindung von Mensch und Natur, nach der Natur in uns.

Wie ist unser heutiges Naturverhältnis? „Are we crazy?“ fragt Katy Perry in ihrem Titel gebendem Song Chained to the Rhythm. Sind wir in der menschlichen Welt wie in einer Blase gefangen, fremdbestimmt und getaktet im Rhythmus unserer rasanten Zeit? Was würde sich ändern, wenn wir entschleunigen und wieder mehr auf den Rhythmus der Natur achten, wenn wir ein stückweit loslassen? In der Ausstellung laden dazu Andy Warhols überlanges Video Sleep, ein großes Sofa und die Fotoserie People Sleeping in Museums  von Stefan Draschan ein, der uns zeigt, dass man sich mit dem Bedürfnis nach einem Nickerchen im Museum durchaus in guter Gesellschaft befindet.

museum-morsbroich.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Herlinde Koelbl, ohne Titel, aus dem Zyklus Metamorphosen, 2019–2022, Fineartprint; ©Herlinde Koelbl

2. Dieter Kiessling, Baum, 1994, Fotografie, 95 x 126 cm; © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

3. Gabriela Oberkofler, A Piece of (Wild) Life, 2024, Ausstellungsansicht Kubus. Sparda-Kunstpreis im Kunstmuseum Stuttgart, Detail; Foto: Gerald Ulmann; © Gabriela Oberkofler

4. Stefan Draschan, ohne Titel (Kunsthistorisches Museum Wien), 2016, aus der Serie People Sleeping in Museums (seit 2015); © VG Bild-Kunst, Bonn 2026

5. Lois Weinberger, Green Man, 2004, Pigment Print auf Archivpapier, 105 x 102 cm, Courtesy Studio Lois Weinberger und Galerie Krinzinger; Foto: Paris Tsitsos