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De/Collecting Memories from Turtle Island
07. Februar bis 08. November 2026 ● Köln ● Museum Ludwig
Im Zentrum dieser Ausstellung stehen zwei zeitgenössische, US-amerikanische Künstlerinnen: Marie Watt und Wendy Red Star.
Die fotografischen Selbstinszenierungen von Wendy Red Star greifen auf humorvollsatirische Weise westliche Vorstellungen von Indigenität auf und laden uns dazu ein, differenzierter hinzuschauen.
Marie Watt ist Mitglied der Seneca Nation und lebt heute in Portland, Oregon. In einigen indigenen Traditionen heißen die Amerikas, oder auch die Welt als Ganzes, Turtle Island. Diese individuellen Schöpfungsgeschichten werden von Generation zu Generation mündlich überliefert.
De/Collecting Memories from Turtle Island lädt uns dazu ein, Erinnerungen und gesammelte Bilder, Werke wie mentale Repräsentationen, zu überdenken und zu überschreiben.
Ausgangspunkt ist ein 2024 vom Museum Ludwig erworbenes Konvolut kitsch-bunter Fotochrome der Detroit Publishing Company. Viele der um 1900 produzierten Bilder gehen auf frühere Schwarzweißfotografien von William Henry Jackson zurück. Es sind oft die ersten Fotografien aus Gegenden, die heute weltweit als touristische Attraktionen bekannt sind: der Yellowstone Nationalpark etwa, oder der Grand Canyon. Die Fotochrome dienten als Wanddekoration oder Postkartenmotive und wurden in einer Auflage von bis zu sieben Millionen Exemplaren pro Jahr verkauft. Sie zeigen moderne Großstädte und weite Landschaften – auffällig menschenleere Landschaften. Diese an den Rändern der Kunst entstandenen Fotografien prägen das Bild der USA für viele Menschen bis heute.
Die Ausstellung setzt da an, wo die Postkartenmotive enden, bei dem, was sie nicht erzählen. Die vermeintlich unberührte Natur war Heimat vieler Menschen und Nationen – lange bevor die ersten Europäer:innen ankamen, Indigene Menschen unterdrückten und vor 250 Jahren die USA gründeten.
Die Bilder der Detroit Publishing Company neu zusammenzubringen mit zwei Positionen zeitgenössischer Indigener Künstlerinnen ist ein Versuch, den Blick auf die Konstruktion von Narrativen und das, was sie auslassen, zu schärfen. Es ist die Einladung, sich einzulassen auf multiple Erinnerungen und Vorstellungen von Turtle Island. Die Ausstellung ist Anlass, um die eigene Sammlung um Stimmen und Perspektiven der Indigenen Völker Amerikas zu ergänzen.
Marie Watt hat für die Ausstellung im Museum Ludwig eine neue raumgreifende Arbeit entwickelt. Thirteen Moons besteht aus dreizehn hängenden Skulpturen, die sich aus Zinnschellen zusammensetzen. Schellenwolken schweben zwischen Himmel und Erde. Sie klingen nur durch Berührung mit anderen Schellen oder Dingen. Die Skulpturen dürfen berührt werden, die Zinnschellen dürfen in Bewegung versetzt werden und ein Klirren und Rauschen hörbar machen. Thirteen Moons entfaltet eine körperliche, visuelle und auditive Präsenz im Raum. Und sie beziehen sich auf indigene Traditionen.
Die Schellen-Skulpturen sind eine Hommage an den Jingle-DressTanz. Für die Ausstellung wird Marie Watt mit der Jingle-Dress-Tänzerin Acosia Red Elk zusammenarbeiten. Sie ist Angehörige der Umatilla aus Oregon.
Mit De/Collecting Memories from Turtle Island findet 2026 die elfte Ausstellung in der Reihe HIER UND JETZT im Museum Ludwig statt. Mit der Ausstellungsreihe stellt das Museum Ludwig regelmäßig die eigene Arbeit auf den Prüfstand und hinterfragt die gewohnten Wege des Ausstellungsmachens.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Marie Watt "Thirteen Moons" 2025 © Foto: Mario Gallucci Courtesy: die Künstlerin
2. Wendy Red Star "Four Seasons (Spring)" 2006 Eins von vier Werken der Reihe Four Seasons © Wendy Red Star
3. Marie Watt "Thirteen Moons" 2025 © Foto: Mario Gallucci Courtesy: die Künstlerin
4. Wendy Red Star "Indian Woman Sitting" 2005 Pigmentdruck Ankauf Museum Ludwig 2026 © Wendy Red Star
5. Installationsansicht HIER UND JETZT im Museum Ludwig. De/Collecting Memories; Museum Ludwig, Köln 2026 © Foto: Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, Karl Krüger