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Freiräume – Zwischen Wandel und Widerstand

26. November 2026 bis 14. März 2027 ● Bonn ● Kunstmuseum Bonn

Was stellt unsere gewohnten Sichtweisen auf die Probe? Wann sind wir bereit, die Perspektive zu wechseln und andere Erzählungen zuzulassen? Das sind die zentralen Fragen der Ausstellung „Freiräume. Zwischen Wandel und Widerstand“. Neun internationale Künstlerinnen erkunden im Kunstmuseum Bonn Freiräume des Denkens und Handelns – und eröffnen neue Perspektiven auf mögliche Zukünfte.

In raumgreifenden, multimedialen und überwiegend für diese Ausstellung entwickelten Arbeiten verhandeln sie ganz unterschiedliche Freiräume, ihre Gefährdungen und ihre Widerständigkeit. Als nicht-weiße Künstlerinnen mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte blicken sie mit anderen Augen auf den globalen Norden und die westlichen Demokratien und reflektieren auch das Unrecht, das ihre Familien und sie selbst erlitten haben. Ihr Blick richtet sich auf Machtausübung und ihre historischen Kontinuitäten – vom frühneuzeitlichen Kolonialrecht bis zur Ausbeutung von Ressourcen in der Gegenwart. Im Rückgriff auf alte Traditionen und Rituale schaffen sie Freiräume des Übergangs und der Versöhnung, in denen eine andere Welt bereits hörbar wird.

Die Künstlerinnen begreifen Freiräume nicht nur als Ort der Zuflucht, sondern als Zonen der Aushandlung und der Fürsorge, des Widerstandes und der kollektiven Imagination. Sie antworten auf historisches oder aktuelles Unrecht mit Ritualen der Heilung, der Reinigung und des Übergangs in eine andere Zeit. Manche Arbeiten erweitern dem klassischen, anthropozentrischen Begriff des Freiraums, indem sie sich auf konkrete Wissenstraditionen berufen – etwa auf kongolesische Ritual-Praktiken zur kollektiven Verhandlung von Schuld und Gerechtigkeit, oder auf die Kosmologien indigener und afrodiasporischer Flussgemeinschaften Lateinamerikas, in denen Wasser nicht als Ressource, sondern als politisches Subjekt verstanden wird. Andere organisieren im Ausstellungsraum temporär die Hierarchie zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung neu, indem sie Kommunikation über Vibration, Berührung, Rhythmus und Klang statt über Sprache und Sehen vermitteln. Der Freiraum entsteht hier zwischen Sinnen, die keiner Klassifizierung unterliegen.

Die Besucher:innen betreten acht immersive Räume und sind dort immer wieder als handelnde Akteur:innen gefragt, sei es in einer Gaming Situation in einer Shisha-Bar oder durch ritualisiertes Einschlagen von Nägeln. Auf diese Weise schafft das Museum einen Freiraum für die Entstehung gemeinschaftlicher Narrative der Verständigung. Die gezeigten künstlerischen Positionen regen zum Perspektivwechsel an, fördern differenzierte Haltungen und entwerfen neue Zukunftsbilder. Die Schau unterstreicht, dass Freiräume für eine demokratische Gesellschaft unverzichtbar sind.

kunstmuseum-bonn.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Sara Sadik, XENON PALACE CHAMPIONSHIP, 2023, Installation view 18th Istanbul Biennale, © Sara Sadik

2. Carolina Caycedo, Fuel to Fire, video still, 2023, Courtesy of the Artist, Commonwealth and Council and Instituto de Visión (BogotáNYC), ©️ the artist

3. Anna Ehrenstein, Şad ırvan II, Installationsrender, 2026, courtesy und © Anna Ehrenstein

4. Cemile Sahin, Four Ballads for my Father - Spring, Film still, 2022, courtesy the artist and Esther Schipper, © Cemile Sahin

5. Patricia Kaersenhout, While We Were Kings and Queens, 2020, Courtesy Gallery Akinci Amsterdam, © VG Bild-Kunst 2026, Foto Robert Glass