ausstellung
Günther Uecker – Die Verletzlichkeit der Welt
08. Februar bis 14. Juni 2026 ● Remagen ● arp museum
Es ist die letzte Ausstellung, bei der die initialen Impulse noch von Günther Uecker selbst ausgingen und gleichzeitig die erste umfangreiche Hommage an den kürzlich verstorbenen, international bedeutenden Künstler.
Präsentiert werden rund 45 Werke aus den Jahren 1957 bis 2024. Im Fokus stehen dabei Ueckers "übernagelte Objekte" sowie seine Fragestellung nach der "Verletzlichkeit des Menschen durch den Menschen", mit der sich der Künstler lebenslang in seinen Malereien, textilen Objekten, Nagelreliefs und -objekten, kinetischen Arbeiten, Lichtobjekten, Installationen, Bühnenbildern sowie Filmen befasst hat. Die ausgewählten Werke zeugen von Ueckers humanistisch geprägtem Weltbild.
Werkgruppen wie Nagelfelder oder Sandmühlen, die zu Ueckers "biografischen Erinnerungsbildern" zählen, verweisen etwa durch die Wandelbarkeit der Form durch Bewegung auf Zyklen der Natur und das Verhältnis des Menschen zu ihr. Mit der Verbindung von Materialität, Struktur und Zeit legte er seinen Werken oftmals eine spirituelle Rezeption zugrunde. Durch die Düsseldorfer ZERO-Gruppe, die 1958 Heinz Mack und Otto Piene gründeten und der sich Günther Uecker anschloss, erlangte er internationale Bekanntheit.
Die 1960er-Jahre prägten Günther Ueckers persönlichen Bezug zum ehemaligen Künstlerbahnhof Rolandseck und zu Johannes Wasmuth,der 1964 den verlassenen Bahnhof entdeckte und zusammen mit Vertreter:innen der rheinischen Kulturszene, darunter Uecker, zu einem Ort für Kunst, Musik und Literatur machte. Die Schau Günther Uecker: Die Verletzlichkeit der Welt rückt anhand von zwei ortsspezifischen Arbeiten den Entstehungsmoment des Kunstbahnhofs in den Fokus: Der Film „Die Treppe“ zeigt Uecker, der sich durch das Setzen einer Nagelspur vom Vorplatz bis in das Treppenhaus des Gebäudes dem spätklassizistischen Bahnhof mit Hammerschlägen annähert. Die Arbeit „Bett zum Aufwachen“ fertigte Uecker für Wasmuth persönlich an – eine mit Nagelreliefs gestaltete räumliche Struktur mit Baldachin, die Wasmuth als Bett inmitten des maroden Bahnhofsgebäudes dienen sollte. Der Ort etablierte sich in der Folgezeit zu einer strahlkräftigen Kulturstätte fernab der Epizentren der Kunst entlang des Rheins.
Mit diesem Bezugspunkt beleuchtet die Ausstellung Günther Ueckers ikonische Werkreihe der Nagelreliefs und ihr vorausgegangene Arbeiten. Besonderen Stellenwert erhalten die "übernagelten Objekte" alltäglicher Gegenstände wie Tisch, Stuhl, Klavier und Nähmaschine, die in Zusammenhang mit Ueckers Bett zum Aufwachen innerhalb der Ausstellung einzuordnen sind und in einen Dialog miteinander treten. Werke aus der Reihe Verletzungen und Verbindungen oder Stoffarbeiten wie der 1994 realisierte Brief an Peking (Menschenrechte) zeugen von der Beschäftigung des Künstlers mit Krieg, Unterdrückung und ökologischen Krisen. Sie sind ein wesentlicher Teil der Ausstellung und verweisen auf den humanistischen Ansatz und die soziale Verantwortung, die Uecker zeitlebens mit seiner Kunst verband.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Günther Uecker, Tanzende Nadel fuer Pina Bausch, 2019. Foto: David Ertl, Uecker Archiv. Privatsammlung. VG Bild Kunst Bonn 2025
2. Guenther Uecker, Bett zum Aufwachen, 1965. Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Foto: Mick Vincenz. VG Bild Kunst Bonn 2025
3. Günther Uecker, Waldgarten (3-teilig), (Detail), 2008. © Private Collection. Courtesy Axel Vervoordt Gallery. Foto: Jan Liégeois. VG Bild-Kunst, Bonn 2025
4. Günther Uecker, Uebernagelter Tisch, 1964. Kunstpalast Duesseldorf. Foto: Kunstpalast, Horst Kolberg Arthothek, VG Bild Kunst, Bonn 2025