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Have you ever fallen in love with a clock?
Bis 01. August 2027 ● Köln ● Kolumba Museum
Es könnte sein, dass Sie eines Tages aufwachen und keine Kraft finden, um aufzustehen. Vielleicht brechen Sie sich auch »nur« den rechten Arm und werden dazu gezwungen, Ihre linke Hand zu trainieren. Es kann aber auch sein, dass Sie sich verlieben. Sie kippen aus dem Alltag und vertraute Orte erscheinen in neuem Licht. Die Gedankenspiele machen deutlich, dass wir über Norm und Normalität oft erst dann nachdenken, wenn sie nicht mehr greifen.
Die Normen, die in unserer Ausstellung verhandelt werden, sind vom Menschen geschaffen – es sind kollektive Vereinbarungen. Formelle Normen sind in Gesetzen oder Verordnungen festgehalten und im besten Fall demokratisch ausgehandelt und kommuniziert. Soziale Normen hingegen entstehen durch ungeschriebene Regeln des Zusammenlebens. Sie bilden sich aus Gewohnheiten, Traditionen und sozialen Strukturen, werden weitergegeben (z.B. in der Erziehung und später in der Schule) und durch alltägliches Handeln aufgeführt und aufrechterhalten.
Dennoch unterliegen sie einem stetigen Wandel. – Normen haben ihre schönen Seiten: Sie können uns Halt und Orientierung geben. Für viele Menschen bleiben Normen unsichtbar – sie leben darin eingebettet, ohne mit ihnen in Kontakt zu kommen. Andere hingegen sind täglich mit ihnen konfrontiert; sie sind verwickelt in einen Prozess der ständigen Anpassung. Normen kategorisieren: in normal und behindert, gesund und krank, Mann und Frau. Sie strukturieren übergeordnete Zusammenhänge genauso wie Details unseres Alltags, so z. B. die Positionierung eines Türgriffs.
Oder die Zeit – sie ist vielleicht eine der einflussreichsten Normen: Sie unterteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; in Sekunden, Minuten, Stunden und Tage. Viele von uns spüren das: Sie sind immer zu spät, ständig damit beschäftigt, etwas aufzuholen. Obwohl wir mittlerweile wissen, dass das Zeitalter des Anthropozäns, in dem der Mensch das Klima, die Meere, die Böden und die Tierwelt stärker als jede andere natürliche Kraft verändert von kurzer Dauer sein wird, sehnen wir uns noch immer nach Fortschritt, Wachstum und Herrschaft. Dieser Plan der Zeit ist tief in unser Denken und unsere Körper eingeschrieben.
Die Künstler:innen in dieser Ausstellung erforschen, wie Normen entstehen und funktionieren. Sie überprüfen und stellen in Frage. Vor allem aber arbeiten sie an Vorschlägen, die unser Denken und Handeln aus seinen Bahnen werfen und als Abweichungen oder Alternativen verstanden werden können – genauso wie die Uhr von Finnegan Shannon, der wir den Titel unserer Ausstellung verdanken.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Raum 21 - Merlin Bauer und BeL »Liebe deine Stadt«-Museum 2015, Holz, Glas, Metall, Beton, diverse Objekte, Lichtskulptur © VG-Bild-Kunst, Bonn, 2026 © Foto: Mareike Tocha/Kolumba, Köln
2. Garten - Martina Stoffel Nistkästen 2025/2026, glasiertes Steinzeug © Kunsthaus KAT18, Köln © Foto: Pia Bergerbusch/Kolumba, Köln
3. Raum 5 - Polyklet Doryphoros Gipsabguss, Berlin nach 1861 und vor 1965, Gips, Metall, Farbe (Leihgabe des Archäologischen Museums der Universität Münster) Rune Mields Rohr B 32 1972, Aquatec auf Leinwand (Leihgabe Galerie Andreae, Bonn) © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 und Archäologisches Museum der Universität Münster © Foto: Mareike Tocha/Kolumba, Köln
4. Raum 17 - Bärbel Lange SCHUTZTIERE Mobile 2024, Faserstift auf Wollfilz, Holz und Nylonschnur, mit Jan Liesegang von raumlaborberlin © KUBIST und raumlaborberlin © Foto: Mareike Tocha/Kolumba, Köln
5. Raum 6 - Felix Droese Der Grafenberg 1971/1972, vielteiliges Konvolut © VG-Bild-Kunst, Bonn, 2026 © Foto: Mareike Tocha/ Kolumba, Köln
6. Finnegan Shannon Have you ever fallen in love with a clock? 2021, Dibond, Uhrzeiger, Farbe © Finnegan Shannon © Foto: Mareike Tocha/Kolumba, Köln