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hell is other people (if you're lucky)

14. März bis 10. Mai 2026 ● Münster ● Kunsthalle Münster

Die Ausstellung „hell is other people (if you’re lucky)“ versteht Öffentlichkeit als ein affektives Feld, das durch Begegnungen, Reibungen und Aushandlungen fortwährend neu entsteht.

Der Titel ist ein Zitat aus dem Buch The Inconvenience of Other People von der Kulturtheoretikerin Lauren Berlant und verweist auf die Spannungen, die unser alltägliches Miteinander bedingen: gefragte oder ungefragte Blicke und Berührungen, Irritationen und Missverständnisse. Unaufhaltsam müssen wir das soziale Gefüge im öffentlichen Raum mit seinen Ge- und Verboten aushandeln und die allgegenwärtigen Appelle und Reglementierungen navigieren. Anstatt zu versuchen, die Reibungen zu neutralisieren und die Ungleichheiten zu ignorieren, lädt die Ausstellung dazu ein, mit ihnen zu verweilen und fragt: Welche Beziehungen und kollektiven Imaginationen können unter diesen Bedingungen entstehen? Und was für eine Art öffentlichen Raum brauchen wir dafür?

Die Stadthausgalerie liegt im Innenhof des Rathauses, in Münsters Zentrum. Sie ist zugleich Wahlamt und Ausstellungsraum – ein hybrider Ort zwischen demokratischer Infrastruktur und Kunstpräsentation. Die installativen Arbeiten in der Ausstellung reflektieren die zunehmende Privatisierung und Kommodifizierung des öffentlichen Raums. Hinter der Glasfassade reflektieren Gaia Vincensinis Keramikarbeiten mit Ironie und Präzision das Merchandising der angrenzenden Geschäftsstraßen. Motive, wie Schlösser, Uhren, Kreuze und Ketten referieren auf Glaubens-, Finanz- und Schutzsysteme und evozieren jene Stabilitätsversprechen, auf denen kapitalistische Ordnungen und privatisierte öffentliche Räume beruhen.

Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė ergänzen mit ihren beiden Arbeiten Enclosure (Lower bound of a landscape) und Yield II die Stadthausgalerie um eine weitere semitransparente Architektur aus Begrenzungen und Reflexionen. Yield oszilliert zwischen einem nostalgischen Schminkspiegel und einer Überwachungskamera, deren Blick von der Bewegung der Besucher:innen abhängt, und sie mit ihrem eigenen Spiegelbild konfrontiert. Die monumentale Installation, die aus mehreren bedruckten Chiffon-Panels besteht, verweist auf die historische Einhegung von Land und eröffnet gleichzeitig Parallelen zur heutigen Segregation im Digitalen.

Alexandra Sheherazade Salem entwickelt für die Ausstellung einen poetischen Beitrag, der sich mit Text und Geruch in den Raum einschreibt und darin ausbreitet. Für ihre ortsspezifische Arbeit greift sie auf Formen der spirituellen Reinigung und Ausräucherung zurück.

Im Dialog mit dem Raum und seiner Funktionalität als Wahlamt erinnert Sinaida Michalskajas großformatige Arbeit HANNAH (Deutsche Wärme) an die Notwendigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements. In Anlehnung an die Tradition des Monumentalporträts zeigt sie die politische Theoretikerin Hannah Arendt, deren Lächeln durch eine Überlagerung zweier Tapisserien physisch in den Raum ragt. Die Videoarbeit SOPHIE widmet sich einer weiteren Person des öffentlichen Lebens, der transfeministischen Elektropop-Musikerin SOPHIE. Ausgehend von dem Track Forever überführt die Arbeit die Lyrics in eine visuelle Rhythmik und rückt den Kampf um körperliche Selbstbestimmung in den Fokus.

Mit drei performativen Arbeiten von Chloe Chignell, Ewa Dziarnowska und Liina Magnea sowie einer Intervention im öffentlichen Raum von Abdoul Karim Martens und Dominik Sartor eröffnet die Ausstellung einen Raum für Erzählungen bewegter Körper und temporärer Zusammenkünfte.

kunsthallemuenster.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Dorota Gawęda + Eglė Kulbokaitė, Enclosure (Lower Bound of the Landscape) I - VIII, 2023. Courtesy of the artists. Swiss Art Awards, Basel, Switzerland. Foto: Gina Folly.

2. Alexandra Sheherazade Salem, PROFIT MADE GOD’S EXHAUSTION, 2026. Courtesy of the artist

3. Liina Magnea, SSASSINS CREED (LADY SAYS STOP), 2024. Courtesy of the artist. Foto: Andrea Vollkmer

4. Sinaida Michalskaja, HANNAH (Deutsche Wärme), 2025, Vier Jacquardgewebte Baumwollteppiche, Spannrahmen, 150 × 400 × 4 cm, Installationsansicht Neu Cöln, Köln. Courtesy of the artist. Foto: Mareike Tocha

5. Gaia Vincensini, POWER DYNAMICS 1, Porzellan 2025 Courtesy of the artist and Gallery Gaudel de Stampa © Foto: Adrien Mole