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Holly Herndon & Mat Dryhurst - Starmirror

Bis 11. Oktober 2026 ● Düsseldorf ● Kunstsammlung NRW – K21 

Holly Herndon und Mat Dryhurst sind international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. In ihrer breit gefächerten Praxis setzen sie sich mit der ungleichen Verteilung von Macht durch den Einsatz von KI-Technologien und virtuellen Ökosystemen auseinander. Sie schaffen Datenprotokolle als Medium von Möglichkeiten und nutzen sie, um neue Arrangements zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz zu erproben.

Mit „Starmirror“ verwandeln Herndon und Dryhurst die Ausstellungsräume des K21 der Kunstsammlung NRW in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahmestudio und Hörumgebung sowie als lebendiges Archiv dient. Hier werden die Verbindungen zwischen kollektivem Gesang und der kollektiven Natur von KI greifbar gemacht.

Während der Ausstellungslaufzeit sind die Besucher:innen eingeladen, an mehreren Sonntagen gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen. Im Wechselspiel von Call and Response (Ruf und Antwort) werden dabei Gesänge aus einem von den Künstler:innen eigens für das Projekt entwickelten Gesangsbuch aufgeführt. Dieses Gesangsbuch basiert auf dem Moralitätenspiel Ordo virtutum der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert, in dem eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen muss.

Bereits in der ersten Phase des Projekts wurden Aufnahmen aus Performances mit Besucher:innen gesammelt und nach dem Ende der Ausstellung in den Trainingskorpus des Modells integriert. Sie bilden die Grundlage für den KI-Chor, der erstmals im K21 zu hören ist. Darüber hinaus ist in der Klanginstallation eine Auswahl früherer kollektiver Gesangsprojekte zu hören. Sie geben Einblick in die kontinuierliche Weiterentwicklung des Modells.

Die Klanginstallation wird von Arbeiten begleitet, die zentrale Fragestellungen der künstlerischen Praxis von Herndon und Dryhurst im Bereich KI, Daten und kollektiver Produktion vertiefen. Dazu gehört Arboretum, das auf Public Diffusion basiert – einem Bildmodell, das vollständig mit Public-Domain-Daten trainiert wurde und exemplarisch zeigt, wie KI-Systeme auf einer rechtlich unbedenklichen Datenbasis entwickelt werden können. Die Starmirror-App ermöglicht es Nutzer:innen, den Bilddatensatz von Public Diffusion aktiv zu ergänzen. Zusammen bilden diese Elemente ein öffentliches KI-Protokoll, in dem menschliche Stimmen, technische Systeme und maschinelle Prozesse miteinander interagieren.

Mit The Hearth wird zudem eine akustische Orgel aus GPU-Lüftern präsentiert, die normalerweise zur Kühlung von Grafikprozessoren für KI-Modelle dienen. Durch digitale MIDI-Signale gesteuert, erzeugen die beschleunigten und abgebremsten Lüfter Melodien. Die von The Hearth gespielten Stücke eröffnen einen historischen Blick auf frühe Formen musikalischer Speicherung, Notation und Rechtepolitik. Sie verweisen auf Systeme der Standardisierung und Kontrolle von Musik, die in der künstlerischen Praxis von Herndon und Dryhurst im Kontext von KI, Trainingsdaten und Urheberrechten reflektiert werden.

Die Ausstellung greift eine entscheidende Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz auf: Sie bietet eine nachvollziehbare und partizipative Erfahrung von menschlicher Arbeit und Interaktion an, die ihr zugrunde liegt. Die Komplexität von KI wird hier zu einem kollektiven Prozess, der durch die Beteiligten verkörpert wird. Während Hildegard von Bingen sich mit der Hierarchie der Engel beschäftigte, sind es bei Herndon und Dryhurst die Hierarchien technischer Protokolle und ihre unsichtbare Rolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt.

Mit der Ausstellung „Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror“ werden Besucher:innen eingeladen, sich mit den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz und den damit verbundenen aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Zugleich steht die Präsentation im Kontext der langjährigen Beschäftigung des K21 mit neuen Technologien und digitaler Kultur.

Im Rahmen der Ausstellung können Besucher:innen Teil des KI-Trainingsprozesses werden. An mehreren Sonntagen finden gemeinsame Gesangs- und Aufnahmesessions mit einem Vokalensemble und wechselnden Chören aus der Region statt. 

Die Starmirror-Performances eröffnen eine partizipative Erfahrung menschlicher Beiträge, die in die Entwicklung von KI einfließen. Die dabei entstehenden Aufnahmen erweitern den Datensatz, der anschließend als öffentliche Online-Ressource zugänglich gemacht wird.

Termine 

So, 28. 6., 16.00 
junger kammerchor düsseldorf 

So, 19. 7., 16.00 
aura sonans 

So, 27. 9., 16.00 
Chor der Kantorei an der Stephanuskirche 

So, 11. 10., 16.00 
Heartchor Krefeld e. V. 
Ensemble: Katharina Hirtz, Ja Jess, Marina Kerdraon-Dammekens

kunstsammlung.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. & 2. Starmirror Training Performance, Starmirror Ensemble unterstützt vom Kammerchor der Humboldt-Universität zu Berlin, Oktober 2025. Teil der Ausstellung Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025. Foto: Frank Sperling

3. Holly Herndon & Mat Dryhurst, Gesangsbuch mit Musiknoten und Skizzen für das Coding des KI Modells, 2025, © Holly Herndon & Mat Dryhurst

4. Holly Herndon & Mat Dryhurst, Starmirror, Public Diffusion Sunset, 2025, Public Diffusion Bild mit Starmirror-Design von Patricia Klein. Courtesy Kunstsammlung Nordhein-Westfalen, Düsseldorf und KW Institute for Contemporary Art, Berlin, © Holly Herndon & Mat Dryhurst

5. Starmirror Training Performance, Starmirror Ensemble unterstützt vom Kammerchor der Humboldt-Universität zu Berlin, Oktober 2025. Teil der Ausstellung Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025. Foto: Frank Sperling

6. Holly Herndon & Mat Dryhurst, Starmirror, Public Diffusion Waterfall, 2025, Public Diffusion Bild mit Starmirror-Design von Patricia Klein. Courtesy Kunstsammlung Nordhein-Westfalen, Düsseldorf und KW Institute for Contemporary Art, Berlin, © Holly Herndon & Mat Dryhurst