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Maria Pinińska-Bereś — Under the Pink Flag
Bis 14. März 2027 ● Bochum ● Kunstmuseum Bochum
Im Herbst zeigt das Kunstmuseum Bochum mit Maria Pinińska-Bereś – Under the Pink Flag eine große Retrospektive. Die Ausstellung versammelt Skulpturen, Installationen und Performances aus fünf Jahrzehnten und zeichnet eindrücklich nach, wie konsequent Maria Pinińska-Bereś ihren eigenen, unverwechselbaren Weg zwischen Kunst und Gesellschaftskritik verfolgte.
Im Zentrum ihres ebenso poetischen wie politischen Werks steht die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zwängen. Subtil, humorvoll und erotisch erzählt ihre Kunst von der Komplexität eines Lebens innerhalb eines autoritären Systems. Als gelernte Bildhauerin experimentierte Pinińska-Bereś von Beginn an mit den Konventionen ihrer Disziplin: Sie ersetzte schwere, klassische Materialien durch Pappmaché, Stoff und Watte und erweiterte die Bildhauerei um Performances und Aktionen im öffentlichen Raum.
Wiederkehrendes und prägendes Element ihres Werks ist die Farbe Rosa – oft missverstanden als naiv oder harmlos, tatsächlich aber bewusst gesetzter Gegenpol zum omnipräsenten Rot im damals kommunistischen Polen. Bei Pinińska-Bereś steht Rosa für das Weibliche, das Häusliche, den Körper – und wird zum Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung. In Werkgruppen wie den Psychomebelki (PsychoMöbelchen) oder Installationen wie Mój uroczy pokoik (Mein hübsches kleines Zimmer, 1975) verbindet sie diese Farbsprache mit einer offenen, selbstbewussten Feier weiblicher Sexualität – und zugleich mit scharfer Kritik an einer Gesellschaft, die Frauen auf die häusliche Sphäre und die Rolle als Objekt männlichen Begehrens reduziert.
Der Ausstellungstitel Under the Pink Flag verweist auf eine Reihe von Performances, die Maria Pinińska-Bereś ab 1976 in der Natur realisierte und bei denen sie mit einer rosafarbenen Fahne auftrat – etwa in Aneksja krajobrazu (Annexion der Landschaft, 1980). Die freie Natur wurde für die Künstlerin zu einem Raum jenseits kulturpolitischer Kontrolle. Mit der rosa Fahne kämpfte sie zugleich selbstbewusst für die Sichtbarkeit und Anerkennung von Frauen in der Kunstwelt und darüber hinaus – und feierte damit gleichzeitig die eigene künstlerische Rolle.
Jahrelang stand Maria Pinińska-Bereś im Schatten ihres Mannes Jerzy Bereś, eines renommierten Bildhauers und Performancekünstlers, dessen Werke auch in der Sammlung des Kunstmuseum Bochum vertreten sind. Mit dieser Retrospektive erhält sie nun die Anerkennung, die ihr lange verwehrt blieb. Begleitend ist es dem Kunstmuseum Bochum gelungen, mit dem Ankauf von Okno i demony (Fenster & Dämonen, 1996) eine bedeutende Arbeit der Künstlerin dauerhaft in die eigene Sammlung aufzunehmen.
Die Ausstellung Under the Pink Flag war in abgewandelter Form bereits im Kunstmuseum Luzern zu sehen. Für das Kunstmuseum Bochum wurde sie überarbeitet und mit Blick auf die großzügigen Räume des Museums neu konzipiert.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. & 2. Ausstellungsansicht Maria Pinińska-Bereś — Under the Pink Flag 2026 © Heinrich Holtgreve, Kunstmuseum Bochum
3. Fotodokumentation der Performance "The Banner" von Maria Pinińska-Bereś, 1980 © Bereś Foundation
4. bis 6. Ausstellungsansicht Maria Pinińska-Bereś — Under the Pink Flag 2026 © Heinrich Holtgreve, Kunstmuseum Bochum