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Mindset Los Angeles

Bis 08. November 2026 ● Herford ● Marta Herford 

Herford trifft Los Angeles: Mit dem umfassenden Projekt Mindset Los Angeles richtet das Marta Herford den Blick auf den Dialog zwischen Kunst und Architektur ausgehend vom frühen Werk des visionären Architekten Frank Gehry in dem von ihm entworfenen Marta Museumsgebäude. Erstmals wird die enge Verbindung von Künstler:innen u. a. der Cool School und Frank Gehry in den Fokus gerückt. Über 150 Werke versammeln heute renommierte Positionen der amerikanischen Nachkriegsavantgarde und eröffnen einen neuen Blick auf die Wechselwirkungen von Kunst und Gehrys frühen Architektur Projekten. Durch Werke aus der Sammlung Schürmann wird der Bogen dieser historischen künstlerischen Ansätze der US-amerikanischen Westküste ergänzt und zudem in die Gegenwart erweitert.

Mit Mindset Los Angeles präsentiert das Marta Herford erstmalig ein Ausstellungsprojekt, das Kunst und Architektur als gemeinsame Denk- und Erfahrungsräume begreift. Ausgangspunkt sind Frank Gehrys enge Verbindungen zur Kunstszene der amerikanischen Westküste und deren Einfluss auf sein architektonisches Denken. Dem umfangreichen Projekt Mindset Los Angeles werden die gesamte Ausstellungsfläche des Museums Marta gewidmet: Während Frank Gehry und die Cool School die gemeinsamen Ursprünge und Netzwerke in L.A. sowie Verbindungen des Architekten zu Künstler:innen seiner Zeit beleuchtet, erweitern ausgewählte Werke aus der Sammlung Schürmann die Perspektive um spätere künstlerische Entwicklungen und aktuelle Fragestellungen.

Ende der 1950er Jahre wird mit der legendären Ferus Gallery der Grundstein für eine neue, vibrierende Avantgarde-Szene in Los Angeles gelegt. Um die Galerie von Walter Hopps und Ed Kienholz entsteht ein loser Kreis aus vorwiegend aus L.A. und San Francisco stammenden Künstler:innen. Inspiriert durch die rebellierende Beat-Generation entwickelt sich ein Netzwerk künstlerischer Experimentierfreude. Unter den Künstler:innen befinden sich zahlreiche heute prominente Namen der jüngeren Kunstgeschichte, darunter zentrale Protagonisten der amerikanischen Nachkriegskunst wie Larry Bell, Wallace Berman, Craig Kauffman, Edward Kienholz und Ed Ruscha. In den 1960er Jahren wird diese lose Künstlergemeinschaft von dem Kunstkritiker und Artforum-Herausgeber Philip Leider unter dem Begriff Cool School zusammengefasst. Die Bezeichnung verweist dabei nicht nur auf ihre künstlerische Unabhängigkeit, sondern auch auf eine Form der Selbstinszenierung, die von großem Selbstbewusstsein und einer machohaften Coolness geprägt war.

Gehry, der die Verbindung zwischen Kunst und Architektur bereits seit seinem Studium als Teil seiner DNA beschreibt, wird Teil der pulsierenden Kunstszene. Der Austausch mit den Künstler:innen prägt seine Vorstellung von Architektur nachhaltig. Rückblickend beschreibt er die Offenheit der Szene als entscheidend für seine eigene Entwicklung.

Die Experimentierfreude, mit alltäglichen Materialien zu arbeiten, die Hinwendung zu neuen Technologien und die Auseinandersetzung mit Oberflächen, Raum, Licht und der Wahrnehmung verbindet Gehry mit den Künstler:innen. Während die etablierte und kommerziell erfolgreiche Kunstszene des Abstrakten Expressionismus an der Ostküste klare Spielregeln vorgibt, wird Los Angeles in dieser Zeit zu einem kreativen Schmelztiegel: Hier, im Schatten Hollywoods, geprägt von belebten Boulevards, der urbanen Infrastruktur mit den mehrspurigen Freeways, der boomenden Automobil- und Luftfahrtindustrie , einer allgegenwärtigen Werbeindustrie und nicht zuletzt das ganz besondere Licht an der Pazifikküste, herrscht die Freiheit für künstlerische Prozesse . Auch die damals noch günstigen Arbeitsräume tragen dazu bei.

Aus dieser Atmosphäre experimentieren die Künstler:innen mit technischen Verfahren und industriellen Materialien. Nicht mehr allein das Objekt steht im Mittelpunkt, sondern die Erfahrung von Raum, Licht und Wahrnehmung. Es entstehen die Strömungen Light and Space und Finish Fetish, die aufgrund der besonderen kulturellen und technologischen Bedingungen der Westküste später unter dem Begriff L.A. Look zusammengefasst werden.  Los Angeles ist aber auch Anziehungspunkt für die Künstler:innen der Ostküste. Die Druck, Papier- und Editionswerkstatt Gemini wird von zahlreichen Künstler:innen aufgesucht. Gehry faszinieren auf inhaltliche Art die künstlerischen Entwicklungen aus New York, die Ansätze der Minimal Art und Robert Rauschenbergs Assemblagen, die parallel zu seinen Pappkarton-Möbeln entstehen.

marta-herford.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Frank and Berta Gehry Wohnhaus, Santa Monica, Kalifornien, 1978, ©Tim Street- Porter, Foto: Tim Street-Porter

2. Pae White, Colored Crinkle, 2010, 292 x 823 cm, Baumwolle und Polyester, Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann, Herzogenrath, © Pae White, Courtesy die Künstlerin und Jessica Silverman

3. Claes Oldenburg/Coosje van Bruggen, Frankie P. Toronto Costume, 1986 Leinen gefüllt mit weichem Polyurethanschaum, mit Latexfarbe bemalt, Jacke und Hut: 188 cm 246,4 cm x 124,5 cm, Hose: 180,3 cm x 34,3 cm x 175,3 cm, Pace Gallery, Los Angeles, © Courtesy Pace Gallery, Foto: Kerry Ryan McFate

4. Frank Gehry im Walker Art Center, 1986, © Courtesy Walker Art Center, Foto: Glenn Halvorson

5. Gemini G.E.L. Büro und Wohnstätten, Los Angeles, Kalifornien, USA, 1976-1979, © Frank Gehry, Getty Research Institute, Los Angeles (2017.M.66)

6. Judy Chicago, Purple Atmosphere, Santa Barbara, Kalifornien, 1969, Farbdruck, 77,5 x 102,9 cm, Edition 2 aus 3 AP, (JCH00181PG), Jessica Silverman Gallery, San Francisco, © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy die Künstlerin und Jessica Silverman, San Francisco