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New Ocean

10. & 11. Oktober 2026 ● Neuss ● Insel Hombroich 

NEW OCEAN entstand 2019 als Versuch, die Klimakrise physisch wahrnehmbar zu machen. Sieben Jahre später kehrt das Projekt in eine Welt zurück, in der die Krise nicht mehr schwer zu erkennen ist, und zu einem Gletscher, der weiter verschwindet. Am 10. und 11. Oktober 2026 zeigt das Ballet of Difference unter der Leitung von Richard Siegal die speziell für das Zwölf-Räume-Haus entwickelte Adaption NEW OCEAN Hombroich Ed. · Morteratsch-Gletscher – ein Werk zwischen Kunst und Wissenschaft aus Klanginstallation, Performance und Skulptur.

Ursprünglich als abendfüllende Bühnenarbeit in Auseinandersetzung mit Merce Cunninghams OCEAN entwickelt, wurde NEW OCEAN 2019 am Schauspiel Köln uraufgeführt. Klimadaten bildeten die Grundlage für ein choreografisches System, das Umweltprozesse in Bewegung übersetzte. 2021 wurde die Arbeit im Kölner Kolumba als NEW OCEAN SEA CYCLE neu konzipiert: eine durchgehende Performance über Tag und Nacht, strukturiert nach siderischer und lunarer Zeit. 2025 erweiterte sich das Projekt im Museum Folkwang mit LUNAR CYCLE, einer 28-tägigen Live-Installation über einen vollständigen Mondzyklus.

Grundlage der Hombroicher Ausgabe sind Ludwig Bergers Audioaufnahmen des Morteratsch-Gletschers – sein Knacken, Fließen und Schmelzen. Richard Siegal übersetzt die täglich modellierten Schmelzraten des Gletschers in eine Choreografie, die sieben Tänzer:innen des Ballett of Difference im Zwölf-Räume-Haus des Museums umsetzen. Der Ausstellungspavillon wird dabei zu einem Jahr: Seine zwölf Räume entsprechen den zwölf Monaten und verwandeln es in einen choreografischen Kalender, durch den sich Tänzer:innen und Besuchende bewegen. Die Intensitäten wechseln – von konzentriert und beinahe meditativ bis körperlich dringlich und unerbittlich. In einem Raum lädt ein Schwarm von Tänzer:innen das Publikum ein, Kugeln in Bewegung zu versetzen. Spiel, Vergnügen und scheinbare Handlungsmacht treten so neben das fortschreitende Verschwinden des Gletschers. Vor dem Gebäude ruht als Memento ein Eisblock, der während der Performance langsam schmilzt. Dieser Monolith schafft einen physischen Zugang zur Massivität des Eises und macht das Verschwinden des Gletschers unmittelbar erfahrbar. NEW OCEAN fragt, was Kunst bedeuten kann, wenn das Wissen über eine Katastrophe, Vergnügen und unsere Fähigkeit, weiterzumachen wie bisher, nebeneinander bestehen.

Das Zwölf-Räume-Haus ist seit seiner Wiedereröffnung im Juni bis Ende September in seiner puren Form und ohne die installierte Sammlung zu erfahren. In dieser Zeit begegneten den Besuchenden dort zahlreiche künstlerische Interventionen. Im Mittelpunkt stand stets das Flüchtige, aber auch das intensive Erleben des Augenblicks und die räumlichen Strukturen.

inselhombroich.de

Bildunterschrift und /-nachweis:

1. NEW OCEAN von Richard Siegal © Foto: Thomas Scherner