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O.M. Ungers – Architektur als Idee
22. Mai bis 27. September 2026 ● Köln ● Museum für Angewandte Kunst
Anlässlich des 100. Geburtstags des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers widmet das Museum für Angewandte Kunst Köln dem Architekten, Theoretiker und Professor die Ausstellung „Architektur als Idee“. Die Schau beleuchtet Ungers’ Verständnis von Architektur als geistige Disziplin. Als Ausdruck einer Ordnung, in der Raum, Proportion und Kunst zu einer Einheit verschmelzen. Gerade heute, in einer Zeit, in der Architektur zunehmend zwischen technischer Funktion, ökologischer Verantwortung und ästhetischem Anspruch vermittelt, gewinnt Ungers’ Verständnis neue Aktualität. Es erinnert daran, dass jeder Bau mit einer Idee und dem Denken beginnt und interdisziplinär zu verstehen ist. „Architektur als Idee“ lädt dazu ein, Oswald Mathias Ungers’ Werk im Dialog zwischen Architektur, Design, Kunst und Umwelt zu betrachten.
Für Ungers war Architektur weit mehr als funktionales Bauen. Sie war Ausdruck eines Denkprozesses und somit die materialisierte Form einer Idee, die das Verhältnis von Mensch, Raum und Welt erfahrbar macht. Maß, Zahl und Proportion bildeten die Grundlage seines Schaffens, doch hinter dieser Rationalität stand immer der Anspruch, Architektur als kulturelle und geistige Praxis zu begreifen. Die Idee war dabei nicht nur Ausgangspunkt des Entwurfs, sondern das Prinzip, das alle Ebenen seines Arbeitens miteinander verband.
Aus dieser Haltung heraus entwickelte Ungers seine Vorstellung von Architektur als Gesamtkunstwerk. Wenn der Bauherr es zuließ, setzte er diese Idee konsequent und gestaltete Gebäude, in denen Architektur, Kunst, Design und Landschaft eine gemeinsame Sprache sprechen. Vom räumlichen Aufbau über die Möblierung und Farbgestaltung bis hin zur Garten- bzw. Landschaftsarchitektur greift jedes Element ineinander und bildet ein in sich stimmiges Ganzes. Kunst am Bau verstand Ungers nicht als Dekoration, sondern als integralen Bestandteil des architektonischen Gedankens. Oft entstanden seine Projekte bereits in der Entwurfsphase in enger Zusammenarbeit mit Künstler:innen, deren Beiträge den architektonischen Entwurf nicht ergänzten, sondern erweiterten.
Die Ausstellung „Architektur als Idee“ veranschaulicht anhand von Objekten, Modellen, Zeichnungen und Fotografien, wie Ungers‘ Denken Gestalt annimmt. Neben seinen vier Privathäusern, die er jeweils einschließlich Mobiliar und Gartengestaltung entwarf, werden Bauwerke präsentiert, in denen sich sein Anspruch des Gesamtkunstwerks besonders deutlich zeigt: die Residenz des Deutschen Botschafters in Washington, D.C., die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe sowie die Geschäftsräume der Hypo Bank in Düsseldorf. In diesen Projekten verband Ungers Architektur und Design mit Kunstwerken von renommierten Künstler:innen wie Gerhard Richter, Rosemarie Trockel, Sol LeWitt oder Markus Lüpertz und arbeitete im Bereich der Landschaftsarchitektur eng mit Bernhard Korte zusammen.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. O.M. Ungers, Residenz des Deutschen Botschafters, Washington, D.C. 1987–1995 Foto: © Eduard Hueber/archphoto
2. O.M. Ungers, Bibliothekskubus Belvederestraße, Köln 1989/90 Foto: © Stefan Müller
3. Rosemarie Trockel, KPM-Service Urania, 1994, Entwurf für die Residenz des Deutschen Botschafters, Washington, D.C., © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 Foto: © KPM-Archiv
4. O.M. Ungers, Haus Glashütte, Eifel 1986–1988 Foto: © Stefan Müller
5. O.M. Ungers, Residenz des Deutschen Botschafters, Washington, D.C. 1987–1995 Foto: © Eduard Hueber/archphoto