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Saša Fuis – Invisible Moments

19. September bis 21. November 2026 ● Köln ● Forum für Fotografie 

Der fotografische Blick, den Fuis in seinen Bildern eröffnet, ist der eines stillen Beobachters. Als Fotograf bewegt er sich in städtischen Strukturen, ist jedoch nicht an Sehenswürdigkeiten oder vordergründigen Realitäten interessiert, sondern widmet seine Aufmerksamkeit jenen Momenten, in denen für den Betrachter die Grenzen zwischen Wirklichkeit und vermeintlicher Bedeutung verschwimmen. In seinen Bildern lenkt er den Blick hinter das allzu Normale, das fast Übersehene. Fuis mischt sich nicht ein, er drängt sich nicht in das Geschehen, er inszeniert nicht – er beobachtet urbane Szenen in jenen Augenblicken, in denen Fragen nach der Bedeutung des Geschehens ohne Antwort zurückbleiben.

Was sehen wir, wenn wir eine Fotografie betrachten?

Die Frage scheint zunächst einfach. Wir sehen reale Orte, eine reale Straße, Menschen. Wir erkennen New York oder eine andere Metropole, eine Bewegung, eine Geste, vielleicht eine Begegnung. Und dennoch beginnen die Fotografien von Saša Fuis genau dort interessant zu werden, wo diese vermeintliche Gewissheit endet.

Denn was auf diesen Bildern geschieht, lässt sich nur selten eindeutig benennen.

Invisible Moments – der Titel der Ausstellung bezeichnet ein Paradox. Fotografie macht sichtbar. Sie hält fest, was sich in einem bestimmten Augenblick vor der Kamera befunden hat. Und dennoch scheint es in den Fotografien von Saša Fuis etwas zu geben, das sich gerade dieser Sichtbarkeit entzieht. Das Entscheidende liegt nicht allein in dem, was wir erkennen können, sondern ebenso in dem, was wir nicht verstehen.

Menschen erscheinen an Kreuzungen, vor Fassaden oder hinter Scheiben. Ihre Gesten scheinen auf etwas zu verweisen, dessen Ursache wir nicht kennen. Blicke führen aus dem Bild hinaus. Körper treten in eigentümliche Beziehungen zur Architektur. Nähe und Distanz entstehen für den Bruchteil einer Sekunde und lösen sich unmittelbar danach wieder auf.

Etwas geschieht. Aber was geschieht? Diese Frage bleibt offen.

Gerade darin unterscheiden sich die Fotografien von Saša Fuis von einem primär dokumentarischen Verständnis der Street Photography. Die Straße ist bei ihm weniger Gegenstand gesellschaftlicher Beschreibung als ein Raum visueller Möglichkeiten. Seine Bilder wollen nicht erklären, wie eine Stadt funktioniert. Sie suchen weder die Reportage noch die Anekdote, weder das spektakuläre Ereignis noch jene Pointe, die eine zufällig beobachtete Straßenszene zu einer kleinen, in sich geschlossenen Erzählung verdichtet.

Die Wirklichkeit liefert das Material für die Bilder von Saša Fuis. Aber sie ist nicht notwendigerweise ihr Thema.

forum-fotografie.info

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Saša Fuis "Invisible Moments" - Pantheon, Rome, 2011 (Triptych)

2. Saša Fuis "Invisible Moments" - Cooper, NYC, 2018

3. Saša Fuis "Invisible Moments" - Funchal, 2013

4. Saša Fuis "Invisible Moments" - Raindrops, 2013

5. Saša Fuis "Invisible Moments" - Key West, 2015