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Schöne Anarchie - Johan Thorn Prikker und seine Zeit
Bis 27. Juni 2027 ● Krefeld ● Kaiser Wilhelm Museum
Er war ein Rebell und Schöngeist, ein Anarchist, der „mit der Sonne selbst malen“ wollte: der niederländisch-deutsche Künstler Johan Thorn Prikker gehört zu den prägenden Protagonisten der 1910er und 1920er Jahre, die Malerei mit angewandter Kunst und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk vereinten. Bekannt wurde er vor allem als Erneuerer der Glasmalerei in der Moderne. Kaum eine Stadt im Rheinland, für deren Gebäude er keine Glasfenster, Wandbilder oder Mosaiken entwarf. Die Kunstmuseen Krefeld besitzen nicht nur den monumentalen Wandbildzyklus Lebensalter (Das Leben), den Thorn Prikker 1923 für den Marmorsaal des Kaiser Wilhelm Museum ausführte, sondern mit rund eintausend Werken auch den größten Teil des künstlerischen Nachlasses – Gemälde, Plakate, eine Vielzahl an Entwürfen für Batik, Weberei, Mosaike, Wanddekorationen und Glasfenster sowie ausgeführte Bleiverglasungen, Erstmals seit 60 Jahren widmen die Kunstmuseen Krefeld diesem Bestand eine umfassende Ausstellung.
Als Maler ausgebildet, wandte sich Thorn Prikker der angewandten Kunst zu. Er fand Gleichgesinnte im Kreis um Künstler wie Henry van de Velde, Jan Veth und Jan Toorop, die mit radikalen, von anarchistischem Gedankengut beeinflussten Ideen die Rolle der Kunst in der Gesellschaft erneuern wollten. Mit seinen Bestrebungen nach einer „Gemeinschaftskunst“ erregte er das Interesse von Friedrich Deneken, Direktor des neu gegründeten Kaiser Wilhelm Museums, der den niederländischen Künstler 1904 nach Krefeld holte. Für das KWM entwarf Thron Prikker Plakate, gestaltete Ausstellungen, lieferte Entwürfe für Textilien, Bildteppiche und ornamentale Wandgestaltungen. Er unterrichtete als Lehrer an der neu gegründeten Krefelder Kunstgewerbeschule und lehrte später in Düsseldorf, Essen, München und Köln. Berühmt wurde er durch den Schritt in die monumentale, architekturbezogene Kunst, deren überwältigende Wirkung auf den Betrachtenden auch anhand der Entwürfe in Originalgröße deutlich wird.
Die Ausstellung stellt mit rund 150 Arbeiten – von der kleinformatigen Skizze bis zum mehrere Meter hohen Fensterentwurf – das Werk Thorn Prikkers vor und verortet es im Kontext der Krefelder Sammlung. Sie spannt einen Bogen von seinen Anfängen im Kreis der niederländischen und belgischen Symbolisten über die frühe Krefelder Zeit mit ihren Textilentwürfen und Ausstellungsgestaltungen, Thorn Prikkers einflussreiche Lehrtätigkeit, den Schritt in die Monumentalkunst mit Wandmalerei und Mosaik bis hin zur Glaskunst der Moderne, an der sich Thorn Prikkers eigenwillige Position zwischen Ornament und Abstraktion, Spiritualität und Funktionalität besonders eindrücklich ablesen lässt. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen die drei originalen Glasfenster, die Thorn Prikker 1912 für das Katholische Gesellenhaus in Neuss entwarf, sowie die großen Entwürfe für Glasfenster und Mosaiken, die im Rahmen der wegweisenden Düsseldorfer Ausstellung GeSoLei (Große Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziales und Leibesübungen) 1926 entstanden. Zahlreiche der fragilen Entwürfe auf Papier wurden im Vorfeld der Ausstellung restauratorisch bearbeitet und können so dank der großzügigen Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland erstmal seit Jahrzehnten der Öffentlichkeit präsentiert werden.
2027 wird die Kölner Künstlerin Majorie Jongbloed im Rahmen der Ausstellung ein partizipatives Theaterprojekt auf Basis von Texten von Johan Thorn Prikker und Piet Mondrian konzipieren und durchführen. Der Ausstellungstitel verdankt sich dem Vortrag „Beautiful Anarchy“, den Jongbloed 2019 an der KISD Köln über Johan Thorn Prikker gehalten hat.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Johan Thorn Prikker "Lebensaltar (Das Leben)" 1923, 4-teilige Wandmalerei, Kaiser Wilhelm Museum, Kunstmuseen Krefeld © Dirk Rose
2. & 3. Installationsansicht "Schöne Anarchie. Johan Thorn Prikker und seine Zeit", Kaiser Wilhelm Museum 2026, Sammlung Kunstmuseen Krefeld © Foto: Dirk Rose
4. Johan Thorn Prikker "Heuschrecken" 1904, Sammlung Kunstmuseen Krefeld
5. Installationsansicht "Schöne Anarchie. Johan Thorn Prikker und seine Zeit", Kaiser Wilhelm Museum 2026, Sammlung Kunstmuseen Krefeld © Foto: Dirk Rose