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Staubfrau
25. Januar, 06. & 28. Februar 2026 ● Oberhausen ● Theater Oberhausen
Was könnte er wohl erzählen, der Fluss, wenn er sprechen könnte?
Vielleicht würde er von dem Fahrrad, den löchrigen Schuhen oder den versenkten Waffen auf seinem Grund berichten. Vielleicht würde er von den Frauenleichen sprechen, die er in sich birgt. Schweigend sammelt er Geschichten, die sich in seinem endlosen Strom verdichten – zu einer Vielzahl von Stimmen, die sich im Kopf einer Frau abspielen, die weiß, dass ihr Partner sie umbringen wird. Wenn das Liebe sein soll, dann will sie sie nicht. Als sie gehen möchte, tötet er - ein weiterer Femizid.
Im Fluss erwarten sie schon Generationen anderer Frauen. Da ist Therese, die als junge Frau vom Fritz erst unbeholfen umworben und schließlich vergewaltigt, umgebracht und im Fluss entsorgt wird. Da sind Mütter - ältere, die in gewaltvollen Ehen feststecken und jüngere, die versuchen Haushalt und Karriere unter einen Hut zu bringen und deren Partner weder vor physischer noch vor psychischer Gewalt zurückschreckt. Und in allen: Der in sie eingetrümmerte Selbstzweifel, der fragt, ob das alles wirklich so schlimm oder überhaupt so passiert sei? Generation für Generation haben die Frauen die himmelschreienden und doch totgeschwiegenen Ungerechtigkeiten geschluckt, bis der Fluss anschwillt, über die Ufer tritt und das Schweigen gebrochen werden muss.
Mit Staubfrau hat Maria Milisavljević eine hochpoetische Anklageschrift gegen das Patriarchat verfasst – einen kraftvollen Text über Femizid und strukturelle Gewalt an Frauen, der den Blick auf eines der drängendsten und doch unsichtbarsten Themen der Gegenwart und Vergangenheit lenkt.
Bildunterschriften und /-nachweise:
1. Staubfrau von Maria Milisavljević © Foto: Lukas Diller