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Thomas Bayrle – Fröhlich sein!

Bis 10. Mai 2026 ● Frankfurt am Main ● Schirn Kunsthalle

Bayrle behandelt in seiner Kunst grundlegende Aspekte der modernen Gesellschaft. Wie hängen Religion und Gesellschaft, Individuum und Masse, industriell gefertigte Produkte und die technischen Apparate ihrer Herstellung zusammen? Neben den Strukturen von Konsum, Arbeit, Urbanität und Technologie spielen Fortbewegung, Pop- und Massenkultur sowie (Ersatz-) Religion eine zentrale Rolle. Der Künstler widmet sich ikonischen Darstellungen ebenso wie populären Werken der Kunstgeschichte von Michelangelo über Caravaggio und Masaccio bis hin zu Claude Monet. Die Ausstellung zeigt Malerei und Grafik, Skulptur und Objektkunst, Soundinstallationen und eine Videoarbeit.

In den 1960er- und 1970er-Jahren legte Bayrle den innovativen Grundstein seiner charakteristischen Superformen. Das Wiederholen, Vernetzen und Verweben von Einzelelementen zu einem Gesamtbild findet sich bis heute in nahezu allen Werken Bayrles und ist eng verbunden mit der Biografie des Künstlers. Bayrle absolvierte zunächst eine Lehre als Maschinenweber, bevor er sich der Gebrauchs- und Druckgrafik widmete. Die dort angewandten Drucktechniken hat er sowohl materiell als auch konzeptuell in seiner Kunst weitergeführt und damit den Weg vom Analogen zum Digitalen geebnet. So gehen seine Werke mit dem aktuellen Ausstellungsort der Schirn, dem Industriegebäude der ehemaligen Dondorf Druckerei, einen besonderen Dialog ein. Der Titel der Ausstellung erinnert an Bayrles prägende Zeit als Professor an der Städelschule von 1975 bis 2002 und seinen Einfluss auf eine nachfolgende Künstlergeneration. „Fröhlich sein!“ war ein Leitsatz, den er seinen Studierenden gerne und häufig mit auf den Weg gab. Für Bayrle selbst war „Fröhlich sein!“ eine Lebensauffassung, eine künstlerische und politische Haltung.

Die Ausstellung verbindet vorrangig Werke der letzten zwanzig Jahre von Thomas Bayrle. Der Parcours ist dabei nach motivischen Werkgruppen und Serien angeordnet, wobei einige Themen wiederholt auftreten und den Besuchenden während des Rundgangs in Variationen begegnen. Den Auftakt bilden eine Hörstation, die Stimmen von Bayrles ehemaligen Studierenden an der Städelschule versammelt, sowie eine Filmcollage von Sunah Choi mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen der Künstlerin Helke Bayrle von ihrem Ehemann aus ihrer langjährigen Arbeits- und Lebensgemeinschaft. 

Die Schirn präsentiert mehrere Serien, in denen sich Bayrle mit ikonischen Werken der Kunstgeschichte oder christlichen Darstellungskonventionen auseinandersetzt.
In einigen Arbeiten nimmt Bayrle Bezug auf das Masaccios Fresko Die Vertreibung aus dem Paradies in der Brancacci-Kapelle in Florenz. Das Meisterwerk der Frührenaissance steht sinnbildlich für die menschliche Erkenntnis der eigenen Körperlichkeit, Nacktheit und Sterblichkeit. Das christliche Bildthema der Pietà (dt. Mitleid) verknüpft Bayrle mit Motiven technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen.
Eine Werkgruppe mit den humorvollen Titeln wie Erholung in der Idiotie I und II, Non Fungible Tokens „Turn Right“ oder I Fon Salat-Roboter rückt Industrieroboter in den Fokus, wie sie etwa in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen.

Auf der documenta 13 in Kassel zeigte Bayrle erstmals aufgeschnittene Motoren in Betrieb. Damit visualisierte er die Ästhetik von Maschinen, aber auch den Lebensrhythmus und die Verfassung der Menschen in der Massengesellschaft. Er löst vormalige Autoelemente aus ihrem eigentlichen Funktionszusammenhang und erhebt sie in den Status von Skulpturen. Während seiner Ausbildung zum Musterzeichner und Weber hatte Bayrle der sich ständig wiederholende, monotone Lärm der Maschinen der Jacquard-Webstühle an Rosenkranz betende Menschen erinnert. Auch die Skulptur Automeditation bezieht sich auf das Rosenkranzgebet. 

schirn.de

Bildunterschriften und /-nachweise:

1. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Gerano Pavesi Church 2015 © Jens Ziehe © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

2. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Autobahnkreuz 2006 © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

3. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Weberei 2010 © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

4. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Roll over Smartfon I 2019 © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

5. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Rosaire 2012 © Axel Schneider © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

6. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Werk: Helke VII im Portikus 2022 © Wolfgang Günzel © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz

7. Thomas Bayrle. Fröhlich Sein! 2026 Ausstellungsansicht © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2026, Foto: Norbert Miguletz